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Im Gespräch: Abdullah Abdullah : „Eine illegitime Regierung stärkt nur die Taliban“

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Präsidentschaftskandidat Abdullah: „Das Präsidialsystem an sich schadet unserem Land” Bild: REUTERS

Abdullah Abdullah, Herausforderer des afghanischen Präsidenten Karzai, glaubt nicht an dessen angeblichen Wahlsieg - und bezichtigt ihn im F.A.Z.-Gespräch abermals des Wahlbetrugs. Karzai habe „nirgendwo im Land Legitimität“, so Abdullah.

          Bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat Amtsinhaber Hamid Karzai nach dem vorläufigen Endergebnis die absolute Mehrheit erreicht. Ungeachtet massiver Betrugsvorwürfe teilte die Wahlkommission (IEC) am Mittwoch mit, Karzai habe bei der Abstimmung vor knapp vier Wochen 54,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein wichtigster Herausforderer Abdullah Abdullah komme auf 27,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 38,7 Prozent. Vor einem amtlichen Endergebnis müssen nach einer Anordnung der UN-unterstützten Beschwerdekommission (ECC) aber die Stimmen aus knapp zehn Prozent der Wahllokale neu ausgezählt und überprüft werden. Erst dann kann ein Sieger erklärt werden. Die Überprüfung wird nach ECC-Angaben Wochen dauern.

          Abdullah Abdullah bezichtigt Karzai im Gespräch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Wahlfälschung sowie der „Hochverrats“ und warnt vor dramatischen Folgen für die Lage in Afghanistan.

          Herr Abdullah, eine Aufklärung der Wahlfälschungsvorwürfe könnte Wochen dauern und eine etwaige Stichwahl ins kommende Jahr verschieben. Würde dann ein politisches Vakuum entstehen, wie es der amerikanische Sondergesandte Holbrooke befürchtet?

          Nein. Ich bin im Gegenteil überzeugt, dass die Taliban gestärkt werden würden, wenn eine illegitime Regierung weitere fünf Jahre an der Macht bliebe. Das wäre dann der Fall, wenn die Wahl durch Betrug entschieden würde, wenn also nicht alle betrügerischen Wahlzettel aus dem Ergebnis herausgerechnet würden. Aber es stimmt, dass es im Interesse Afghanistans ist, so schnell wie möglich den Wahlprozess inklusive eines zweiten Durchgangs abzuschließen.

          Präsident Karzai weist die Vorwürfe des Wahlbetrugs zurück

          Besteht nicht die Gefahr, dass ein zweiter Wahlgang von noch mehr Betrug und Gewalt überschattet sein wird?

          Der Wahlbetrug wurde Monate, wenn nicht Jahre im voraus vorbereitet. Wir hoffen, dass ihnen dies in der kurzen Zeit bis zu einem zweiten Wahlgang nicht wieder gelingen wird. Zudem war das mangelnde Vertrauen in den Wahlprozess – neben der Sicherheitslage – der Hauptgrund für die geringe Wahlbeteiligung. Die Menschen waren sich nicht sicher, dass ihre Stimmen überhaupt gezählt würden. Und wie wir nun erfahren haben, waren diese Zweifel begründet. Wenn die Bürger aber sehen, dass der Betrug aufgeklärt und korrigiert wird, werden sie Vertrauen schöpfen und sich an einem zweiten Durchgang beteiligen.

          Diplomaten in Kabul reden über eine „Regierung der nationalen Einheit“. Unter welchen Bedingungen würden Sie sich daran beteiligen?

          Ich glaube, dass es keine Veränderung bringt, wenn man ein oder zwei Personen in die Regierung integriert, solange das System selbst korrupt ist. Das Problem ist vielmehr, dass das Präsidialsystem an sich unserem Land schadet. Deshalb werde ich mich, wenn ich gewählt werde, für ein parlamentarisches System einsetzen. Während meines Wahlkampfs habe ich nie das Ziel verfolgt, mich an der Regierung zu beteiligen, denn diese Möglichkeit hat ohnehin immer bestanden. Ich wollte und will Veränderungen bringen. Wenn ich der Regierung beitreten würde, könnte ich dieses Ziel nicht erreichen. In der Opposition bestehen dazu bessere Möglichkeiten.

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