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Migration über den Ärmelkanal : Hotel England

Mehr als 44.000 Migranten kamen seit Januar über den Ärmelkanal, wie diese 45, die im Mai Dungeness erreichten. Bild: Picture Alliance

Die Probleme mit der illegalen Migration über den Ärmelkanal wurzeln nicht in Brüssel, sondern in Paris, Straßburg und auch in London selbst. Den Migranten bieten sich in Großbritannien viele Möglichkeiten.

          5 Min.

          Das Versprechen der Brexiteers, mit dem EU-Austritt die Kon­trolle über die Grenze zurückzugewinnen, ist bisher nur zur Hälfte eingelöst worden – und für viele ist es die unbedeutendere Hälfte. Seit Februar 2020 dürfen sich EU-Bürger nicht mehr ohne Arbeitsvisum im Königreich niederlassen, was nicht zuletzt zum Arbeitskräftemangel beigetragen hat. Auch wenn das System legaler Migration dank des neuen Einwanderungsgesetzes als transparenter und fairer empfunden wird als früher, ist die illegale Migration aus dem Ruder gelaufen. Die sprunghaft wachsende Zahl von Migranten, die in kleinen Booten über den Kanal kommen, hat auch den Brexit-freundlichen Briten vor Augen geführt, dass der EU-Austritt nicht alle Probleme lösen kann. Im Fall der „Bootsmigranten“ wurzeln diese nicht in Brüssel, sondern in Paris, in Straßburg und nicht zuletzt in London selbst.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Die meisten gehen an der französischen Küste an Bord; einige auch an belgischen Stränden. Ihre Zahl hat sich von etwa 8000 im Jahr 2020 auf mehr als 44.000 in diesem Jahr erhöht. Die frühere britische Innenministerin Priti Patel sagte im Sommer, dass 70 Prozent der Ankömmlinge nicht als „genuine Asylsuchende“ einzustufen seien, sondern als „Wirtschaftsmigranten“. Viele von ihnen hätten zuvor schon vergeblich Asyl in einem EU-Land beantragt, oft in Deutschland. Die „Invasion“ an der englischen Südküste – so die Worte von Patels Nachfolgerin Suella Braverman – wäre rasch gestoppt, würden die Franzosen jeden Migranten zurücknehmen, der von den Briten aufgegriffen wird. Die gefährliche Bootsüberfahrt würde sich nicht mehr lohnen, was mittelfristig auch Frankreich zugutekäme, weil dann weniger Migranten ins Land reisen würden, um den Kanal zu überqueren. Aber die Rücknahme von Flüchtlingen war schon vor dem Brexit schwer zu organisieren.

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