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Rebellenkämpfe in Syrien : Die letzte Bastion, die nicht fallen will

Zivilisten nach dem Angriff auf die Stadt Maaret al-Numan Bild: AFP

Der Kampf um Idlib gerät für das Regime in Damaskus zu einem Debakel. Die kampferfahrenen Rebellen wehren sich seit Wochen gegen Assads Truppen. Daran ändern auch die vielen Luftangriffe syrischer und russischer Bomber nichts.

          Kliniken, Märkte, Schulen – seit Wochen werden sie im Nordwesten Syriens regelmäßig von syrisch-russischen Luftangriffen getroffen. Seit mehr als zwei Monaten gehe das schon so, schreibt ein Einwohner der Provinz Idlib, der aus Angst seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Das Bombardement sei „wahnsinnig“. Mehr als zwei Dutzend Gesundheitseinrichtungen sind nach Angaben aus den UN und von Hilfsorganisationen schon zerstört worden. Am Montag wurde – wieder einmal – der Ort Maaret al Numan attackiert. Dieses Mal schlugen die Bomben an einen belebten Markt ein. Nach Angaben örtlicher Beobachter gab es mindestens 33 Tote. Wohnhäuser und Läden seien zerstört worden, berichteten Anwohner. Die Rettungsarbeiten mussten unterbrochen werden, weil die Bomber noch am Himmel waren.  

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Es ist ein bekanntes Muster nach dem Baschar al Assad und seine russischen Alliierten vorgehen: Luftangriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur sollen die Rebellenbrigaden von ihren militärischen Aufgaben ablenken, indem sie dazu gezwungen werden, sich stärker um die Versorgung der Bevölkerung zu kümmern. Diese soll außerdem durch den stetigen Terror aus der Luft entmutigt werden. Die Angriffe sollen den Truppen Assads zu Erfolgen auf dem Schlachtfeld verhelfen. Seit Ende April führen sie eine Offensive im Nor­den der Pro­vinz Ha­ma und in der nord­west­li­chen Pro­vinz Id­lib.

          Doch die Militärkampagne am Boden gerät trotz der Bombardements aus der Luft zu ei­nem ver­lust­rei­chen Miss­er­folg für das Regime. Dessen Truppen kommen kaum voran, west­li­che Di­plo­ma­ten spre­chen von ei­ner „Bla­ma­ge“ für Da­mas­kus. Id­lib ist die letz­te Bas­ti­on des be­waff­ne­ten Auf­stands. Die dor­ti­gen Re­bel­len­grup­pen sind schwer be­waff­net, kampf­er­fah­ren und ent­schlos­sen. Nicht zu­letzt, weil sie mit dem Rü­cken zur Wand ste­hen, denn es blie­be ih­nen kaum ein Rück­zugs­ort, soll­te das Re­gime Id­lib er­obern.

          Zum an­de­ren wer­den die auf­stän­di­schen Grup­pen von ra­di­ka­len Is­la­mis­ten do­mi­niert. Die stärks­te Grup­pe ist die Al­li­anz „Ha­yat Tahr­ir al Scham“ (HTS), un­ter de­ren Ban­ner auch Al-Qai­da-Grup­pen kämp­fen. Den hart­ge­sot­te­nen und hoch­mo­ti­vier­ten Re­bel­len­kämp­fern steht ei­ne Ar­mee ge­gen­über, die nicht nur Eli­te­ein­hei­ten in die Schlacht führt. Dass in den Ver­lust­mel­dun­gen Bri­ga­den auf­tau­chen, in de­nen frü­he­re Re­bel­len kämp­fen, deu­tet dar­auf hin, dass un­ter den ein­ge­setz­ten Sol­da­ten ei­ne be­trächt­li­che Zahl von Leuten ist, die im Rah­men so­ge­nann­ter Ver­söh­nungs­ab­kom­men Kriegs­dienst für As­sad ver­rich­ten. Ih­re Mo­ti­va­ti­on, für die Sa­che des eins­ti­gen Fein­des zu fal­len, dürf­te sich in Gren­zen hal­ten.

          Die Id­lib-Kam­pa­gne zei­ge die be­grenz­ten mi­li­tä­ri­schen Mög­lich­kei­ten des Re­gimes ein­deu­tig auf, sagt ein west­li­cher Di­plo­mat. Es ge­be Hin­wei­se dar­auf, dass das rus­si­sche Mi­li­tär un­zu­frie­den sei über die Kampf­kraft und das tak­ti­sche Ver­mö­gen der ara­bi­schen Ver­bün­de­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund er­schei­nen die über­ein­stim­men­den Be­rich­te der Re­bel­len schlüs­sig, laut de­nen Mos­kau sich auch in die Ope­ra­tio­nen am Bo­den ein­ge­schal­tet ha­ben soll. Schon län­ger heißt es, rus­si­sche Mi­li­tärs wür­den bei der Ko­or­di­nie­rung auf dem Schlacht­feld hel­fen. Es gibt Vi­de­os von Kampf­hand­lun­gen, die dar­auf hin­deu­ten, dass Rus­sen an der Front ak­tiv sind. Ob es sich da­bei um Sol­da­ten han­delt, wie Re­bel­len sa­gen, oder um rus­si­sche Söld­ner lässt sich in­des nicht ab­schlie­ßend be­stä­ti­gen.

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