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Rebellenkämpfe in Syrien : Die letzte Bastion, die nicht fallen will

Das Schlacht­feld im Nord­wes­ten ist für As­sads Streit­kräf­te eben­so schwie­rig wie be­deut­sam. An den ent­schei­den­den Fron­ten kon­trol­lie­ren die Re­bel­len An­hö­hen, von de­nen sie aus gut be­fes­tig­ten Stel­lun­gen auf die Trup­pen des Re­gimes feu­ern kön­nen. Et­wa auf der lang­ge­streck­ten Ghab-Ebe­ne, die As­sad ger­ne als Puf­fer­zo­ne kon­trol­lie­ren wür­de. Denn die Re­bel­len be­dro­hen durch ih­re Prä­senz im Nord­wes­ten das Kern­land der Ala­wi­ten, der Be­völ­ke­rungs­grup­pe des As­sad-Clans. Auch die rus­si­sche Luft­waf­fen­ba­sis von Hmei­mim ge­rät un­ter Re­bel­len­be­schuss. Und auf Sei­ten der Re­bel­len, die sich über die Jah­re in Klein­krie­gen und Macht­kämp­fen ge­gen­sei­tig schwäch­ten, scheint die­ser Ta­ge die Zu­sam­men­ar­beit gut zu funk­tio­nie­ren. Fo­tos zeu­gen von ei­nem be­deu­ten­den Tref­fen im Ju­ni, bei dem die wich­ti­gen Kom­man­deu­re zu­sam­men­ka­men.

Die Füh­rungs­rol­le von HTS-An­füh­rer Abu Mu­ham­mad al Dshau­la­ni ist un­an­ge­foch­ten. Zu­gleich ha­ben sich die Grup­pen auf ei­ne kla­re Ar­beits­tei­lung ge­ei­nigt. „Die Auf­ga­ben sind klar um­ris­sen“, er­klärt ein frü­he­rer Re­bel­len­kämp­fer, der gut un­ter den be­waff­ne­ten Grup­pen ver­netzt ist und na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den will. Nach sei­nen Wor­ten gibt es Grup­pen, die für die Len­kra­ke­ten zu­stän­dig sind, an­de­re für die schwe­ren Waf­fen. Wie­der­um an­de­re – in der Re­gel dschi­ha­dis­ti­sche Grup­pen – sind mit ge­fähr­li­chen Gu­er­ril­la­an­grif­fen hin­ter den feind­li­chen Li­ni­en be­auf­tragt. Der wich­tigs­te Grund für die gro­ßen Schwie­rig­kei­ten des Re­gimes im Nord­wes­ten ist die Waf­fen­hil­fe aus der Tür­kei.

Die Türkei treibt den Preis hoch

Von op­po­si­ti­ons­na­hen sy­ri­schen Be­ob­ach­tern heißt es über­ein­stim­mend, dass die Un­ter­stüt­zung An­ka­ras nicht nur die Aus­rüs­tung auf­wer­te, son­dern auch die Mo­ral der Kämp­fer deut­lich ge­bes­sert ha­be. An­ka­ra ha­be un­ter an­de­rem ef­fek­ti­ve An­ti-Pan­zer-Ra­ke­ten an die engs­ten Ver­bün­de­ten un­ter den sy­ri­schen Re­bel­len­bri­ga­den ge­lie­fert so­wie Grad-Ra­ke­ten mit ei­ner Reich­wei­te von mehr als drei­ßig Ki­lo­me­tern. Tür­ki­sche Of­fi­zie­re wür­den den Ver­bün­de­ten mit tak­ti­schen Rat­schlä­gen zur Sei­te ste­hen, heißt es von Ge­währs­leu­ten aus den Rei­hen der As­sad-Geg­ner. „Die Tür­ken sor­gen da­für, dass das Kräf­te­ver­hält­nis auf dem Schlacht­feld aus­ge­gli­chen ist“, er­klärt der frü­he­re Re­bell. Wenn die an­de­re Sei­te die Kon­fron­ta­ti­on es­ka­lie­ren las­se, kom­me mehr Hil­fe aus An­ka­ra. „Die Re­bel­len wis­sen jetzt, dass sie ei­ne ech­te Er­folgs­chan­ce ha­ben und nicht ihr Le­ben für nichts und wie­der nichts op­fern“, sagt er.

Es hat­te Ge­rüch­te ge­ge­ben, An­ka­ra und Mos­kau könn­ten ei­nen Han­del ab­schlie­ßen und die Tür­ken könn­ten ih­re ara­bi­schen Brü­der in Id­lib im Stich las­sen. Doch da­nach sieht es nicht mehr aus. „Die Tür­kei hat das ab­schre­cken­de Po­ten­ti­al der Re­bel­len­grup­pen in Id­lib er­kannt und macht es sich zu­nut­ze“, sagt Sam Hel­ler von der In­ter­na­tio­nal Cri­sis Group, der sich seit Jah­ren in­ten­siv mit Id­lib be­schäf­tigt. „An­ka­ra macht Russ­land deut­lich, dass ei­ne mi­li­tä­ri­sche Lö­sung für die Pro­vinz zu­min­dest ei­ne ex­trem teu­re An­ge­le­gen­heit wird.“ Der­zeit scheint we­der An­ka­ra noch Mos­kau dar­an ge­le­gen zu sein, sich über die Geg­ner­schaft im Sy­ri­en-Krieg zu ent­zwei­en. Das um­strit­te­ne Ge­schäft mit den rus­si­schen S-400-Luft­ab­wehr­bat­te­ri­en kam trotz­dem zu­stan­de. „Für Russ­land könn­te ei­ne stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit der Tür­kei wert­vol­ler als al­les sein, was noch an po­li­ti­schem Ka­pi­tal in Sy­ri­en zu ho­len ist“, ver­mu­tet Sam Hel­ler

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