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Andreas Ross (anr.)

Österreich in der Krise : Sittenverstoß

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzler von Österreich, nimmt am selben Tag der Vereidigung neuer Minister mit allen Ministern an einer Ministerratssitzung teil. Bild: dpa

Irgendwann kommt es Wählern rational vor, besonders ruchlose Grenzverletzer der eigenen Gesinnung zu unterstützen.

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          Bundespräsident Alexander Van der Bellen tut sein Möglichstes, um die österreichische Staatskrise einzudämmen, die das Ibiza-Video heraufbeschworen hat. Eindringlich redete er nun den Politikern ins Gewissen, das Land vor die Partei zu stellen – aber auch den Bürgern, das Fehlverhalten zweier FPÖ-Anführer nicht der ganzen Politik anzulasten. Das freilich klang schon wie das Pfeifen im Walde, was auch an Van der Bellens Wortwahl lag: „Wir alle haben ein Sittenbild gesehen, das Grenzen zutiefst verletzt.“

          Ein „Sittenbild“ aber will nicht eine außerordentliche Grenzüberschreitung, sondern eben die Sitten einer bestimmten Ära oder Schicht zeigen. Der Bundespräsident weiß, dass darin die größte Gefahr liegt: dass sich die Leute bloß in der Verachtung für „die Politiker“ bestätigt sehen, die niemand stärker geschürt hat als die FPÖ und ihre populistischen Gesinnungsgenossen. Denn irgendwann kommt es Wählern rational vor, besonders ruchlose Grenzverletzer der eigenen Gesinnung zu unterstützen, frei nach dem amerikanischen Motto: Er ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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