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Hungerstreik : Timoschenkos Anwalt klagt über den Staatsanwalt

  • Aktualisiert am

Timoschenkos Anhänger demonstrieren für sie. Bild: dpa/Archiv

Seit die ukrainische Oppositionsführerin Julija Timoschenko ihren Hungerstreik begonnen hat, tobt ein heftiger Streit um sie. Jetzt erhebt ihr Anwalt schwere Vorwürfe gegen den Generalstaatsanwalt.

          Der Anwalt der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julija Timoschenko erhebt schwere Vorwürfe gegen den Generalstaatsanwalt des Landes, Viktor Pschonka. „Pschonka hat den Befehl gegeben, meine Mandantin gegen ihren Willen und unter Einsatz von Gewalt in das Eisenbahner-Krankenhaus von Charkiw zu verlegen“, sagte Sergej Wlasenko der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Dies sei ihm von befreundeten Quellen in der Generalstaatsanwaltschaft bestätigt worden.

          Timoschenko ist seit August in Haft. Vor einigen Tagen klagte sie darüber, dass sei am 20. April durch einen Faustschlag des stellvertretenden Direktors ihres Gefängnisses in Charkiw niedergestreckt worden sei. Sie wurde dann in das Krankenhaus gebracht. Aus Protest gegen die mutmaßliche Misshandlung befindet sie sich im Hungerstreik. Generalstaatsanwalt Pschonka hatte am Freitag mitgeteilt, er habe keine Beweise für eine Misshandlung Timoschenkos gefunden. Vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine bekommt der Fall viel Aufmerksamkeit.

          Viele Politiker aus Westeuropa wollen nun keine Spiele der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine besuchen - zum Beispiel die gesamte EU-Kommission. Auch Kanzlerin Angela Merkel hat kürzlich deutlich gemacht, dass sie einen EM-Besuch in der Ukraine von dem Schicksal Timoschenkos abhängig macht. Daraufhin warnte die Regierung der Ukraine Deutschland vor wirtschaftlichen Konsequenzen.

          Die Bundesregierung reagiert darauf gelassen. „Das ist innenpolitisches Wortgeklingel, das sollte man nicht überbewerten“, sagte Innenminister Hans-Peter Friedrich der „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht. Ob er selbst in seiner Funktion als Sportminister Spiele der Fußball-EM in dem Land besuchen werde, ließ der CSU-Politiker weiter offen: „Über die Teilnahme von Regierungsmitgliedern an den EM-Spielen in der Ukraine werden wir in den kommenden Wochen im Lichte der Entwicklung dort entscheiden.“

          Timoschenkos Anwalt Wlasenko dankte im Namen seiner Mandantin für die Unterstützung aus Deutschland: „Julija Timoschenko bedankt sich bei Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Gauck und allen deutschen Bürgern dafür, dass sie sie in ihrem Kampf um Rechtstaatlichkeit in der Ukraine unterstützen.“ Präsident Janukowitsch spüre dank des Drucks aus Berlin, dass er zunehmend isoliert sei in Europa.

          Von Dienstag an soll Julija Timoschenko von einem deutschen Arzt behandelt werden - allerdings in der Ukraine. Eine Behandlung in Deutschland lehnt die Regierung der Ukraine bisher ab. Timoschenkos Anwalt Wlasenko hob hervor, dass selbst eine medizinische Behandlung Timoschenkos in Deutschland nur der Anfang sein könne. „Obwohl sie unschuldig ist, wurde sie zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil muss zurückgenommen werden“, forderte Wlasenko in der F.A.S.

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