https://www.faz.net/-gpf-aafgo

Hungerstreik im Gefängnis : Nawalnyj geht es offenbar immer schlechter

  • Aktualisiert am

Alexej Nawalnyj während seiner Anhörung im Februar Bild: dpa

Seit einer Woche befindet sich der Kreml-Kritiker im Hungerstreik. Laut seiner Anwältin erhält Nawalnyj weiterhin keine ärztliche Betreuung – trotz Taubheit in den Händen, starkem Gewichtsverlust und Rückenproblemen.

          2 Min.

          Der Gesundheitszustand des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalnyj hat sich nach Angaben seiner Anwälte weiter verschlechtert. Der Oppositionelle klagte demnach über Taubheit in den Händen. „Er sieht schlecht aus, er fühlt sich nicht gut“, sagte seine Anwältin Olga Michailowa am Mittwoch. Die amerikanische Regierung zeigte sich am Mittwoch beunruhigt angesichts der Berichte über Nawalnyjs Zustand.

          Nawalnyj, der sich seit einer Woche aus Protest gegen seine Haftbedingungen in einem Hungerstreik befindet, wiege derzeit etwa 80 Kilogramm, erklärte seine Anwältin. Bei seiner Ankunft in der Strafkolonie habe der 189 Zentimeter große Kreml-Kritiker noch 93 Kilogramm gewogen.

          Mitglieder aus Nawalnyjs Anwaltsteam, die ihn am Mittwoch in der Strafkolonie Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau besuchten, sagten, er verweigere weiterhin die Nahrungsaufnahme. Nach Angaben von Nawalnyjs Anwalt Wadim Kobsew verliert der 44-Jährige etwa ein Kilogramm pro Tag.

          Nawalnyjs Bruder überraschend freigelassen

          Das Weiße Haus äußerte sich am Mittwoch „besorgt“ über den verschlechterten Zustand des Oppositionellen. Washington betrachte die Inhaftierung Nawalnyjs als „politisch motiviert und als eine große Ungerechtigkeit“, sagte die Sprecherin von Präsident Joe Biden, Jen Psaki.

          Am selben Tag wurde der Bruder Kreml-Kritikers, Oleg Nawalnyj, überraschend aus seinem Hausarrest entlassen. Die prominente Juristin Ljubow Sobol und zwei weitere Mitarbeiter des Oppositionellen hatten vor der Berufungsinstanz eines Moskauer Gerichts am Mittwochabend Erfolg, wie ein Anwalt aus dem Saal des Stadtgerichts mitteilte. Ursprünglich hätten sie nach Straßenprotesten am 23. Januar wegen eines angeblichen Verstoßes gegen Hygieneauflagen in der Corona-Pandemie noch bis Ende Juni im Arrest sitzen müssen.

          Nach dem Besuch seiner Anwälte erklärte Nawalnyj auf der Online-Plattform Instagram, dass die Gefängnisbeamten Süßigkeiten in seine Taschen steckten und Hähnchen in seiner Nähe brieten, um sich über ihn lustig zu machen. Ihm werde weiterhin der Zugang zu einem Arzt verwehrt.

          Nawalnyj leidet nach eigenen Angaben bereits seit Tagen unter Schmerzen, starkem Husten und Fieber. Laut seiner Anwältin Michailowa hat das Gefängnis nur einen Pfleger und keinen Arzt.

          Seine Anhänger befürchten, dass ihm nach der Vergiftung im August 2020 weiteres Leid zugefügt wird und fordern seine Verlegung in ein Krankenhaus. Nawalnyj beschuldigt die Gefängnisverwaltung, ihm die medizinische Versorgung zu verweigern und ihn mit Schlafentzug zu „foltern“. Nach Angaben Kreml-naher Medien war er am Montag infolge seines verschlechterten Gesundheitszustandes auf eine Krankenstation verlegt worden. Pokrow gilt als eines der härtesten Straflager Russlands.

          Nawalnyj, der als der größte innenpolitische Widersacher von Russlands Präsident Wladimir Putins gilt, war im August in Russland Opfer eines Giftanschlags geworden, für den er den russischen Geheimdienst und den Kreml verantwortlich macht. Er wurde nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt.

          Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Moskau im Januar wurde Nawalnyj dann festgenommen. Im Februar wurde er in einem international kritisierten Verfahren wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt.

          Weitere Themen

          Das Infektionsschutzgesetz bleibt in der Kritik

          F.A.Z. Frühdenker : Das Infektionsschutzgesetz bleibt in der Kritik

          Opposition und Fraktionen debattieren weiter über die neue Bundes-Notbremse. In New York geht das größte amerikanische Crypto-Unternehmen an die Börse. Die Nato beruft ein außerordentliches Treffen ein. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Wie Biden China auf die Probe stellt

          Klimaschutz der Großmächte : Wie Biden China auf die Probe stellt

          Ohne Peking gibt es keinen Durchbruch beim Klimaschutz. Der neue Fünfjahresplan Chinas verzichtet aber auf ambitionierte Vorgaben. Ob es seine Klimazusagen einhält, könnten die Amerikaner aus dem Weltall messen.

          Topmeldungen

          Wie weit trägt eine expansive Geld- und Finanzpolitik noch?

          Folgen der Finanzpolitik : Morsche Staatsschuldentürme

          Es wäre leicht, die tatsächliche Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zu testen: Die Zentralbanken müssten ihre Käufe von Staatsanleihen erst reduzieren – und dann einstellen.
          Showtime für Ola  Källenius, 51: Am Donnerstag präsentiert er sein elektrisches Spitzenmodell: „So etwas hat die Welt noch nicht gesehen.“

          Elektro-S-Klasse von Mercedes : Der Tesla-Jäger

          Der Daimler-Chef Ola Källenius verkauft fünfmal so viele Autos wie Elon Musk. Trotzdem ist Tesla das Siebenfache wert. Jetzt bläst der Schwede zum Angriff.

          Champions League : Das sind die Gründe für das Bayern-Aus

          In der anstrengenden Corona-Saison fehlte dem FC Bayern in den entscheidenden Spielen gegen Paris Saint-Germain die Qualität. Trainer Hansi Flick bemängelt das schon länger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.