https://www.faz.net/-gpf-6m4nj

Hungerkrise in Somalia : Al Shabaab rückt aus Mogadischu ab

  • -Aktualisiert am

Soldaten der Übergangsregierung nehmen die verlassenen Stellungen der Al Shabaab ein Bild: Helmut Fricke

Mitten in der schwersten Hungerkrise seit Jahren bahnen sich in Somalia wichtige politische Veränderungen an. Die radikalislamischen Milizen der Al Schabaab haben ihre Stellungen in der Hauptstadt Mogadischu aufgegeben.

          2 Min.

          Die radikal-islamische Miliz al Shabaab hat in der Nacht von Freitag auf Samstag nahezu alle ihre Positionen in Mogadischu aufgegeben und den Rückzug angetreten. Unter den aufgegeben Stellungen sind das strategisch wichtige Stadion der Stadt und der Baraka-Markt, beides Bastionen der radikalen Miliz, die sich auf Al Qaida beruft. Ein Sprecher der radikalen Miliz erklärte den Rückzug mit einer „neuen militärischen Taktik“, wollte sich telefonisch dazu aber nicht weiter äußern.

          Der Ministerpräsident der somalischen Übergangsregierung, Abdiweli Mohamed Ali, zeigte sich am Samstag in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Regierungssitz „Villa Somalia“ vorsichtig optimistisch. „Ich kann behaupten, dass 95 Prozent der Stadt jetzt frei von al Shabaab sind. Wir haben eine entscheidende Schlacht gewonnen. Der Krieg indes ist noch lange nicht vorbei“, sagte Mohamed Ali in Anspielung auf die Gebiete vor allem im Süden Somalias, die nach wie vor von al Shabaab gehalten werden. Der somalische Präsident Sheikh Sharif Sheikh Ahmed kündigte an, die Angriffe in diesen Gebieten intensivieren zu wollen, um al Shabaab „ein für alle Mal“ zu schlagen.

          Um 23 Uhr Ortszeit am Freitagabend hatten Kämpfer von al Shabaab sowohl am Stadion als auch am Baraka-Markt Stellungen angegriffen, die erst in der vergangenen Woche von ugandischen beziehungsweise burundischen Soldaten der Friedenstruppe der Afrikanischen Union für Somalia, Amisom, erobert worden waren. In beiden Fällen mussten sich die Milizionäre unter schweren Verlusten wieder zurückziehen, was Amisom zusammen mit den Truppen der somalischen Übergangsregierung nutzte, einen Gegenangriff zu starten, der am Samstagmorgen um 3 Uhr Ortszeit mit der Einnahme des Stadions als auch des Baraka-Marktes endete. Amisom kontrollierte bislang acht der 16 Stadtteile Mogadischus, drei wurden von al Shabaab gehalten und in fünf weiteren kam es nahezu täglich zu Gefechten zwischen Amisom und den Bärtigen.

          Das strategisch wichtige Stadion wird von Amisom-Soldaten eingenommen

          Das Stadion von Mogadischu ist strategisch deshalb so wichtig, weil dort alle Ausfallstraßen der Stadt zusammenlaufen. Der Baraka-Markt wiederum war die wichtigste Einnahmequelle von al Shabaab, weil die Miliz Schutzgeld und Steuern von den Händlern erpressten. Nach Informationen westlicher Dienste, die von ugandischen Offizieren in Mogadischu bestätigt wurden, nutze al Shabaab das auf dem wichtigsten Markt des Landes gut etablierte System des Bargeldtransfers zudem, um zusätzliches Geld aus Pakistan zu beziehen.

          Im Verlaufe des Samstagnachmittags rückten Amisom-Truppen mit Panzern in die aufgegeben Stellungen von al Shabaab ein, die allerdings „besenrein“ waren. Zwei Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gehörten zu den ersten ausländischen Beobachtern, die am Samstag in die ehemaligen Shabaab-Positionen in dem Stadtteil Yaaqshiid, in dem das Stadion liegt, vordringen konnten, sahen dort aber weder aufgegebene Waffen noch vergessene Munition. Ein Amisom-Offizier hatte zuvor den Verdacht geäußert, dass der Angriff unter Umständen ein Ablenkungsmanöver gewesen sein könnte, um einen länger geplanten Rückzug unter Mitnahme aller Waffen zu decken. Seit einigen Tagen war in Mogadischu darüber spekuliert worden, dass die gegenwärtig in weiten Teilen Somalias herrschende Hungersnot die Miliz stark geschwächt haben könnte, weil sie kaum noch Schutzgeld erpressen können und ihnen inzwischen die Kämpfer davonlaufen.

          Ministerpräsident Abdiweli Mohamed Ali sagte, die vordringliche Aufgabe der somalischen Übergangsregierung sei nun, die Sicherheitslage in der Stadt soweit zu verbessern, dass internationale Hilfsorganisationen den Hungernden zu Hilfe kommen können. Bislang dringt so gut wie keine Hilfe nach Mogadischu, weil al Shabaab die Mitarbeiter aller ausländischen Hilfsorganisationen mit dem Tod bedroht. Erst am Freitag waren bei einem Feuergefecht in einer der wenigen Essenverteilungsstationen der Stadt fünf Menschen ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen hatten Mogadischu sowie fünf weitere Regionen in Somalia in der vergangen Woche zu Hungergebieten erklärt. Mehr als 100.000 Flüchtlinge, die insbesondere aus den von al Shabaab gehalten südlichen Regionen Lower Shabelle und Bakool nach Mogadischu geströmt sind, verschärfen die dortige Situation zusätzlich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bielefelds Cedric Brunner (rechts) und Hamburgs Bakery Jatta im Zweikampf

          1:1 in Bielefeld : HSV verteidigt Tabellenführung

          Kein Sieger im Spitzenspiel: Arminias Klos trifft nur einmal und Bielefeld verpasst die Überraschung. Der HSV hingegen bleibt weiter an der Tabellenspitze – und hat das nächste Top-Duell bereits vor der Brust.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.