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Hunger in Nordkorea : Die Lebensmittel werden knapp

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un auf einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei in Pjöngjang am Dienstag Bild: EPA

Kim Jong-un spricht von einer angespannten Versorgungslage. Hilfe aus dem Westen lehnt der Machthaber trotzdem ab. China hat zuletzt Mais nach Pjöngjang geschickt.

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          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat eingestanden, dass die Lebensmittelversorgung in seinem Land zunehmend „angespannt“ sei. Als Grund nannte er Ernteausfälle infolge von heftigen Stürmen und Überschwemmungen im vergangenen Jahr. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei kündigte Kim nicht näher benannte „Maßnahmen“ an, um „das Problem zu lösen“. Die Partei müsse sich auf die Landwirtschaft konzentrieren, sagte der Machthaber laut einem Bericht der Nachrichtenagentur KCNA vom Mittwoch. Die wirtschaftliche Lage werde durch die „unvorteilhaften Bedingungen“ der Corona-Pandemie erschwert, sagte der Machthaber.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Schon im April hatte Kim sein Land auf harte Zeiten eingeschworen und dabei von einem „beschwerlichen Weg“ gesprochen. Das war insofern ungewöhnlich, als dieser Begriff in Nordkorea die große Hungersnot der neunziger Jahre umschreibt, die Hunderttausende Menschenleben gekostet hat. Nach offiziellen, kaum verlässlichen Zahlen ist die Lebensmittelproduktion im vergangenen Jahr um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. Da fast alle Mitarbeiter von Hilfsorganisationen das Land in den vergangenen Monaten wegen der strikten Corona-Präventionsmaßnahmen verlassen haben, gibt es kaum gesicherte Informationen über die Ernährungslage. Als ein Indikator gelten die Lebensmittelrationen für Bedürftige, die im vergangenen Jahr von 540 Gramm pro Tag und Person auf 370 Gramm gesunken waren. Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Nordkorea warnte im März vor einer „ernsten Nahrungsmittelkrise“. Es gebe bereits Berichte über Hungertote und eine Zunahme von bettelnden Kindern und Alten, die von ihren Familien nicht mehr versorgt werden könnten.

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          Sicher ist, dass die strikten Präventionsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie die ohnehin prekäre Versorgungslage in Nordkorea weiter verschlechtert haben. Das Land hat den Grenzverkehr weitgehend eingestellt, so dass dringend benötigte Lebensmittellieferungen nicht eingeführt werden konnten. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet für dieses Jahr mit einer Versorgungslücke von 860.000 Tonnen Lebensmitteln, wenn es nicht zu zusätzlichen Importen oder Hilfslieferungen komme. Teile der Bevölkerungen könnten dann zwischen „August und Oktober“ Mängel erleiden, heißt es in einem aktuellen Bericht vom Dienstag.

          Die FAO widerspricht darin allerdings der Aussage Kim Jong-uns, wonach die Knappheit auf wetterbedingte Ausfälle zurückzuführen sei. Diese Schäden seien durch zusätzliche Pflanzungen weitgehend ausgeglichen worden, so dass es im vergangenen Jahr eine fast durchschnittliche Ernte gegeben habe, schreibt die FAO. Auch für dieses Jahr seien die Ernteaussichten „günstig“. Aus FAO-Sicht legt das Problem vielmehr im harschen Grenzregime. Hilfslieferungen internationaler Organisationen hat Nordkorea bisher abgelehnt. Offiziell hat es die Pandemie als Grund benannt. Fachleute vermuten aber, dass Pjöngjang auch vermeiden will, dass sich unabhängige Helfer ein Bild der Lage machen können. Von China hingegen ließ Nordkorea sich offenbar helfen. Im April passierte laut eines Berichts des Senders Radio Free Asia erstmals seit mehr als einem Jahr ein Güterzug mit Hilfslieferungen die Grenze. An Bord seien 300 Tonnen Mais gewesen, berichtete der Sender.

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