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Nach der Krim-Annexion : Hunderttausende Russen feiern ihren Putin

  • Aktualisiert am

Russland feiert seinen Präsidenten nach der erfolgreichen Annexion der Krim. Bild: dpa

Die EU und Amerika drohen, Putin schafft Fakten. Unbeeindruckt von internationalen Sanktionen gliedert Russland die Krim in die Föderation ein. Hunderttausende bejubeln ihren Präsidenten dafür.

          Hunderttausende haben in Russland die Eingliederung der Krim gefeiert. Allein auf dem Roten Platz in Moskau versammelten sich rund 120.000 Menschen zu einem Konzert, teilte das russische Innenministerium mit. Insgesamt - in ganz Russland - haben demzufolge rund 600.000 Regime-Anhänger ihren Präsidenten bejubelt.

          Allen Protesten und Strafmaßnahmen des Westens zum Trotz hatte Präsident Wladimir Putin am Dienstag den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim in die Russische Föderation unterzeichnet. Ein Zwischenfall mit zwei Toten schürte Ängste vor einer bewaffneten Auseinandersetzung.

          Die Krim sei immer ein Teil Russlands gewesen, begründete Putin in einer Rede an die Nation sein Vorgehen. Die große Mehrheit der Russen und der Krim-Bewohner sei für den Anschluss. Auch Vertreter der prorussischen Krim-Führung setzten in Moskau ihre Unterschriften unter das Dokument. Die Zustimmung des russischen Parlaments zu dem Schritt steht noch aus, gilt aber als sicher und wird noch diese Woche erwartet.

          „Wiederherstellung der Einheit Russlands“

          Die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, die Nato und die Ukraine verurteilten die Annexion des ukrainischen Territoriums und wollen den Schritt nicht anerkennen. Amerika droht Russland mit weiteren Sanktionen, Kanzlerin Angela Merkel beriet abermals mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach von einen „gefährlichen Weg“, den Russland beschreite.

          EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärten, die Staats- und Regierungschefs der EU würden während ihres Gipfels am Donnerstag und Freitag „eine geeinte europäische Antwort“ beschließen. Neben den verhängten Sanktionen setze die EU weiter auch auf Dialog, sagte Merkel in Berlin. In der schwersten Krise seit Ende des Kalten Krieges hatten die EU und die Vereinigten Staaten Konten russischer Funktionäre gesperrt und ihnen die Einreise untersagt. Auch Japan verhängte Sanktionen und mittlerweile auch Australien: „Internationales Recht erlaubt nicht den Diebstahl von Territorium eines anderen Staates auf der Basis eines Referendums, das weder als frei noch als fair beurteilt werden kann“, sagte die australische Außenministerin Julie Bishop im Parlament in Canberra

          Die EU-Kommission wollte an diesem Mittwoch Details ihrer geplanten Finanzhilfe für die Ukraine vorstellen. Brüssel will das Land in den kommenden Jahren mit elf Milliarden Euro unterstützen. Zum Abschluss des EU-Gipfels soll zudem der politische Teil des Partnerschaftsabkommens mit der Ukraine im Beisein des Kiewer Regierungschefs Arseni Jazenjuk unterschrieben werden.

          Zwei Tote auf der Krim

          Der russische Staatschef Putin kritisierte die bereits vom Westen verhängten Sanktionen gegen sein Land. „Wir betrachten ein solches Vorgehen als verantwortungslos und eindeutig aggressiv.“ Russland werde angemessen darauf reagieren. Der Westen solle die „Wiederherstellung der Einheit“ Russlands akzeptieren, forderte Putin, der den Anschluss der Krim mit der deutschen Wiedervereinigung verglich.

          Die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko bezeichnete Putins Rede als „faschistische Propaganda“. Putin lege es darauf an, „die Welt zu zerstören“ und wende dabei „Kriegsmethoden“ an, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

          Auf der Krim hatten die Bewohner am Sonntag bei einem international nicht anerkannten Referendum offiziellen Angaben zufolge mit großer Mehrheit für einen Beitritt zu Russland gestimmt. Die Vereinigten Staaten, die EU und die Ukraine sehen einen eklatanten Bruch des Völkerrechts.

          Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Konflikts schürte am Dienstag ein Zwischenfall auf der Krim. Nach Polizeiangaben wurden ein ukrainischer Soldat und ein Mitglied der prorussischen sogenannten Selbstverteidigungskräfte erschossen. Ein Heckenschütze habe nahe einer ukrainischen Militärbasis in Simferopol in verschiedene Richtungen gefeuert. Zwei weitere Soldaten seien verletzt worden. „Das könnte eine geplante Provokation sein, um die Lage am Tag der Unterzeichnung des Krim-Vertrags zu destabilisieren“, hieß es auf der Homepage der Krim-Polizei.

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