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Nationalfeiertag Diada : Hunderttausende demonstrieren für Unabhängigkeit Kataloniens

  • Aktualisiert am

Fahnenmeer bei einer Demonstration in Barcelona: Hunderttausende gehen auf die Straße und fordern die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. Bild: EPA

Knapp eine Million Katalanen demonstrieren in Barcelona für die Unabhängigkeit Kataloniens. Abspaltungsgegner kommen nicht zu Wort.

          Knapp ein Jahr nach der gescheiterten Abspaltung von Spanien sind in Katalonien am Dienstag hunderttausende Unabhängigkeitsbefürworter auf die Straße gegangen. Rund eine Million Demonstranten beteiligten sich an der Kundgebung in Barcelona anlässlich des katalanischen Nationalfeiertags Diada, wie die Polizei mitteilte. Damit mobilisierten die Organisatoren ähnlich viele Menschen wie im Vorjahr.

          Die alljährlichen Kundgebungen erfolgen im Gedenken an den 11. September 1714, als spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekriegs Barcelona eroberten. Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra bezeichnete die Demonstration als Auftakt einer neuen „Massenmobilisierung“. Zum Jahrestag des Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober sind weitere Protestaktionen geplant.

          Zu Beginn der Massenkundgebung stießen die Demonstranten eine von ihnen zuvor errichtete Mauer um – als Symbol für den Willen, sämtliche Hindernisse auf dem Weg zum eigenen Staat zu beseitigen. Nicht fehlen durften im Meer aus rot-gelb-blauen katalanischen Fahnen die menschlichen Pyramiden, bei denen die Teilnehmer einander auf die Schultern steigen – in Katalonien eine Art Volkssport.

          Andere Demonstranten trugen gelb-schwarze Schilder mit Forderungen nach sofortiger Freilassung der inhaftierten Unabhängigkeitsbefürworter. Dreizehn führende Aktivisten und Politiker sind wegen Rebellion angeklagt. Darauf stehen in Spanien bis zu 25 Jahre Gefängnis.

          Katalonien ist weiterhin gespalten

          Die katalanische Opposition in Katalonien warf den Unabhängigkeitsbefürwortern vor, die Diada für ihre Zwecke zu missbrauchen. Die Gegner einer Abspaltung fänden bei den Feierlichkeiten kein Gehör, erklärte die Chefin der liberalen Partei Ciudadanos in Katalonien, Inés Arrimadas. Laut einer Umfrage im Juli sind die Katalanen in der Frage weiter gespalten: 46,7 Prozent der Befragten befürworten demnach die Unabhängigkeit, 44,9 Prozent lehnen dies ab.

          Auch der spanische Außenminister Josep Borrell, der selbst aus Katalonien stammt, äußerte sein Unverständnis. „Wir Katalanen sollten heute unseren Nationalfeiertag begehen und nicht die Unabhängigkeit fordern, die von weniger als der Hälfte der Bevölkerung befürwortet wird.“

          Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef Pedro Sánchez, der im Juni mit Unterstützung katalanischer Parteien seinen konservativen Vorgänger Mariano Rajoy ablöste, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: „Wir müssen die Katalanen zum Dialog ermutigen.“

          Statut von 2006 sichert Katalonien Autonomie zu

          Der Vorsitzende des Parlaments in Barcelona, Roger Torrent, konterte: „Kein glaubwürdiger Dialog ist möglich, wenn diejenigen, die verhandeln müssen, im Gefängnis sind.“ Sánchez hatte den Katalanen vergangene Woche ein Referendum über mehr Autonomie für ihre Region in Aussicht gestellt, ein Unabhängigkeitsreferendum aber abgelehnt.

          Das seit 2006 bestehende Statut Kataloniens sichert der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens mit ihren 7,5 Millionen Einwohnern bereits jetzt Autonomie zu. Den in Barcelona regierenden Unabhängigkeitsbefürwortern geht dies aber nicht weit genug, sie fordern einen Volksentscheid über die Loslösung von Spanien.

          Der jahrelange Streit um die Abspaltung Kataloniens war im vergangenen Jahr eskaliert. Nach dem von Madrid nicht genehmigten Referendum hatte das katalanische Parlament am 27. Oktober einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen. Die spanische Zentralregierung setzte die Regionalregierung daraufhin ab. Mehrere katalanische Unabhängigkeitsbefürworter wurden inhaftiert, der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont und mehrere seiner Kabinettsmitglieder flohen ins Ausland.

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