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„Humanitäre Notlage“ : UNHCR fordert umgehende Hilfe für Flüchtlinge aus Moria

  • Aktualisiert am

Migrantinnen und Migranten aus dem zerstörten Camp Moria halten bei einem Protest auf der Insel Lesbos ein Schild mit der Aufschrift „EU, save us, please“ (EU, rette uns bitte). Bild: dpa

Mit Blick auf die dramatische Lage der Migranten auf der griechischen Insel Lesbos drängt das UN-Flüchtlingshilfswerk Deutschland und die EU zu raschen Taten. Auch der deutsche Städtetag fordert eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung.

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          Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) fordert von Deutschland und der EU eine umgehende Lösung für die Menschen aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria. Die derzeitigen Zustände auf der Insel Lesbos seien „eine humanitäre Notlage, die ein schnelles und unverzügliches Handeln der europäischen Staaten gemeinsam mit Griechenland erfordern“, sagte der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Frank Remus, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er betonte, nach Jahren des Scheiterns einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik stünden die EU-Staaten jetzt in der Pflicht, „den Menschen auf Lesbos sofort zu helfen und langfristig die Chance zu nutzen, gesamteuropäische Lösungen zu finden“.

          Der UNHCR-Vertreter bezeichnete die Zustände in dem früheren Lager Moria auf Lesbos, das völlig überfüllt gewesen war, als „Schande für Europa“ und „unvereinbar mit den europäischen Werten“. Remus begrüßte aber, dass es engagierte Länder gebe, die an Lösungen für die Lage auf Lesbos mitwirken wollten – dabei nannte er an erster Stelle Deutschland. Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angekündigte Aufnahme von etwa 150 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen begrüßte der UNHCR-Vertreter als „Zeichen, dass Deutschland Verantwortung in dieser wichtigen Frage übernimmt“.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt bis Mittwoch eine Entscheidung über die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus dem zerstörten Lager an. Entsprechend äußerte sie sich demnach am Montag in einer Sitzung des CDU-Vorstands. Mit Seehofer habe sie bereits entsprechende Gespräche begonnen, sagte Merkel. Die Bundesregierung wolle aber zugleich weiter eine europäische Lösung suchen und Griechenland unterstützen.

          Städtetag: Können nicht auf das Ergebnis warten

          Der Deutsche Städtetag hat die Bundesregierung zu einer „mutigen Entscheidung“ über die Aufnahme von weiteren Schutzsuchenden aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria aufgefordert. Städtetagspräsident Burkhard Jung sagte der Deutschen Presse-Agentur, viele deutsche Städte stünden bereit, sofort Menschen aus Moria aufzunehmen.

          „Es geht hier um eine akute Notlage. Deshalb dürfen wir nicht zögern“, so Jung.„Deutschland sollte ein Zeichen der Soforthilfe setzen, ein Zeichen der Menschlichkeit. Die Debatte um eine faire Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU muss jedoch unbedingt weitergeführt werden. Aber wir können nicht auf das Ergebnis warten und erst dann den obdachlos gewordenen Familien aus dem zerstörten Lager helfen. Die Menschen aus Moria brauchen unsere Hilfe jetzt.“

          Natürlich wäre es gut, wenn alle in der EU abgestimmt vorgehen würden, so der Leipziger Oberbürgermeister. „Doch die Koalition der Willigen aus einigen Ländern muss vorangehen, um das Leid der Menschen in Moria zu lindern. Dafür müssen allerdings deutlich mehr Flüchtlinge aufgenommen werden, als 400 unbegleitete Minderjährige auf zehn EU-Staaten zu verteilen.“

          Jung sagte weiter, er hoffe sehr, dass es darüber hinaus während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gelinge, einen Durchbruch in der EU für eine Reform des gemeinsamen europäischen Asylsystems zu erzielen. „Wir warten schon viel zu lange darauf, dass Europa eine dauerhafte und nachhaltige Lösung findet. Wir brauchen einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen als in Moria.“

          Griechenlands größtes Flüchtlingslager war in der vergangenen Woche durch mehrere Brände fast vollständig zerstört worden. Rund 11.500 Menschen wurden obdachlos, darunter 4000 Kinder. Tausende ehemalige Lagerbewohner, darunter auch Schwangere und Familien mit kleinen Kindern, harren seitdem im Freien aus. Viele sind inzwischen völlig erschöpft, hungrig und durstig.

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