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Humanitäre Hilfe in Nordkorea : Ungewollte Konsequenzen

Die schlechte Ernte in Nordkorea verschlimmert die Hungersnot in dem Land. Obwohl deren Arbeit eigentlich von den bestehenden Sanktionen ausgenommen ist, können humanitäre Organisationen kaum helfen.

          Humanitäre Hilfe in Nordkorea ist eine Gratwanderung. Das Land leistet sich ein kostspieliges Atom- und Raketenprogramm, während die eigene Bevölkerung mangelernährt ist. Spenden für Nordkorea gelten als Reputationsrisiko. Im vergangenen Jahr konnten die Vereinten Nationen nicht einmal ein Viertel der veranschlagten finanziellen Mittel von Geberländern einwerben. Bei kaum einem anderen Land der Welt zeigten die Geldgeber sich so zurückhaltend wie bei Nordkorea.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Umso eindringlicher hat am Mittwoch der UN-Koordinator für Nordkorea, Tapan Mishra, an die internationale Gemeinschaft appelliert: „Ich bitte unsere potentiellen Geldgeber und die beteiligten Akteure dringend, nicht zu erlauben, dass die Deckung des humanitären Bedarfs von politischen Erwägungen verhindert wird.“ Gerade in diesem Jahr sei die Hilfe besonders dringlich, denn die Lebensmittelproduktion in Nordkorea sei im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken, schreibt Mishra in einer Bedarfsanalyse, die die wenigen in Nordkorea aktiven Hilfsorganisationen gemeinsam verfasst haben. Nach Angaben der nordkoreanischen Regierung ging die Lebensmittelproduktion gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent zurück. Überprüfen lässt sich das kaum. Doch klar ist, dass eine Hitzewelle und Überschwemmungen Ernten vernichtet und Äcker zerstört haben. Und dass dem Land aufgrund der UN-Sanktionen moderne landwirtschaftliche Maschinen, Diesel und Dünger fehlen.

          Die Studie wirft ein Schlaglicht auf die ärmlichen Lebensverhältnisse in Nordkorea, über die Machthaber Kim Jong-un nach seiner Machtübernahme 2012 gesagt hatte, er wolle dafür sorgen, dass die Bevölkerung „nie wieder den Gürtel wird enger schnallen müssen“. Damals pries er zugleich das Atomprogramm, dank dem Nordkorea „eine stolze politische und militärische Macht“ sei. Mehr als 43 Prozent der Bevölkerung gelten als unterernährt. Jedes fünfte Kind sei deshalb in seiner Entwicklung gehemmt. Eine „ganze Generation von Kindern“ sei von bleibenden Schäden bedroht, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Fast zehn der 25 Millionen Einwohner hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, rund neun Millionen keinen Zugang zu ordentlicher Gesundheitsversorgung. Nordkorea hat nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation zudem eine der höchsten Tuberkulose-Raten der Welt.

          Sanktionen erschweren Arbeit der Hilfsorganisationen

          Nordkorea ist ein schwieriges politisches Umfeld für Hilfsorganisationen. Das liegt nicht nur am Regime, das den Organisationen enge Fesseln anlegt. Erschwert wird die Projektarbeit auch durch die UN-Sanktionen, obwohl humanitäre Hilfe explizit davon ausgenommen ist. Der Bericht spricht von „ungewollten Konsequenzen“. So würden selbst Lieferungen lebensrettender Güter häufig dadurch erschwert, dass Lieferanten und Transitländer aus Furcht vor Sanktionsverstößen und Reputationsschäden zögerten, die Waren bereitzustellen oder zu transportieren. Zum Beispiel wartete das Kinderhilfswerk Unicef nach einem Bericht der Fachwebsite „NK News“ monatelang auf Insektizide für ein Malariabekämpfungsprogramm.

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