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Humala zum Präsidenten Perus gewählt : „Mein einziger Chef ist das peruanische Volk“

  • -Aktualisiert am

Der Linksnationalist Ollanta Humala lässt sich schon feiern Bild: REUTERS

Der neue peruanische Präsident Humala hat angekündigt, die „lateinamerikanische Einheit“ zu stärken und gegen die Korruption im Land vorzugehen. Als Vorbild nannte er dabei den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula.

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          Der Linksnationalist Ollanta Humala ist zum neuen Präsidenten Perus gewählt worden. In der Stichwahl besiegte der Kandidat der politischen Gruppierung „Gana Peru“ (Peru gewinnt) mit mehr als 51 Prozent der Stimmen die Bewerberin der politischen Strömung „Fuerza 2011“ (Kraft 2011), Keiko Fujimori. Vor jubelnden Anhängern, die sich auf einem zentralen Platz in Lima versammelt hatten, kündigte Humala an, er werde eine Regierung „auf breiter Basis“ bilden. Außerdem wolle er die internationalen Beziehungen Perus und die „lateinamerikanische Einheit“ stärken. Mit fester Hand werde er gegen die im Land verbreitete Korruption vorgehen, fügte er hinzu und versicherte, keinerlei Verpflichtung mit irgendeiner Gruppierung oder Person eingegangen zu sein.

          „Mein einziger Chef ist das peruanische Volk“, sagte Humala. Mit diesem Gelöbnis versuchte der 49 Jahre alte frühere Oberstleutnant Befürchtungen zu zerstreuen, er könne sich nun als bedingungsloser Gefolgsmann des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez erweisen und dessen sozialistisches Modell in Peru einführen. Während des Wahlkampfs hatte er sich ausdrücklich mehrfach von Chávez distanziert, der ihn 2006 bei seinem ersten vergeblichen Versuch, ins Präsidentenamt zu gelangen, hofiert und mutmaßlich auch seine Wahlkampagne finanziell unterstützt hatte.

          Humala vertauschte diesmal den roten Pullover gegen feinste Maßanzüge und bekräftigte, dass sein Vorbild vor allem der frühere brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sei, von dessen Beratern er sich auch hatte betreuen lassen. Peru erlebte unter den fünf Regierungsjahren von Humalas scheidendem Vorgänger Alán García eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs mit jährlichen Wachstumsraten um sechs und zuletzt 2010 sogar von fast neun Prozent. Von dem Geldsegen, den das Land hauptsächlich den Erlösen aus den Rohstoffexporten verdankt, haben indes weniger die armen Bevölkerungsschichten als vor allem die großen Konzerne profitiert. Humala will mit Hilfe von Verfassungsänderungen eine bessere Verteilung der Einkommen und eine Stärkung der Rechte sozial benachteiligter Gesellschaftssektoren erreichen.

          Knapp im Rückstand: Keiko Fujimori
          Knapp im Rückstand: Keiko Fujimori : Bild: dpa

          Mit den Worten „Peru hat sich verändert und ich mich auch“ versuchte Humala seinen Sinneswandel zu erklären. Als Militär hatte er in den neunziger Jahren am Kampf gegen den Terror des „Leuchtenden Pfades“ teilgenommen. Für Vorwürfe, er habe dabei Menschenrechtsverletzungen begangen, fand die Justiz keine Beweise. Im Jahr 2000 zettelte er zusammen mit seinem Bruder Antauro einen Aufstand gegen die damals bereits durch Korruption geschwächte Regierung Alberto Fujimoris an. Während der Regierung Alejandro Toledos (2001 bis 2006) war er Militär-Attaché in den Botschaften Perus in Frankreich und Südkorea.

          Perú Posible dürfte mit Gana Peru koalieren

          Beobachter erwarten, dass Humala eine sozialdemokratisch ausgerichtete Mitte-Links-Regierung vorwiegend aus Fachleuten zusammenstellen werde. Im Parlament hat er keine eigene Mehrheit, doch wenn Toledos Gruppierung „Perú Posible“ (Peru ist möglich) einer Koalition mit Humalas „Gana Peru“-Fraktion zustimmt, könnte er mit 68 der 120 Abgeordnetensitze rechnen und würde somit über die absolute Mehrheit verfügen. Toledo gehörte zu jenen politischen Figuren, die Humala in der Kampagne zum Stichentscheid ausdrücklich unterstützt haben. Der Dank dafür dürfte darin bestehen, dass Humala eine Reihe von Politikern aus Toledos Lager in sein Kabinett holt.

          Unterstützung erhielt Humala zuletzt auch von völlig unerwarteter Seite. Der peruanische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der zuvor eine mögliche Regierung Humalas als „Katastrophe“ bezeichnet hatte, hob nun hervor, dass mit dessen Wahl zum Präsidenten die Demokratie gerettet worden sei. Humala müsse verstehen, dass er den Wahlsieg vor allem der Mittelklasse verdanke, die ihm abnehme, dass er sich tatsächlich von dem „absolut katastrophalen Modell“ des venezolanischen Präsidenten Chávez abgewandt habe. Die Wahlniederlage Keiko Fujimoris habe verhindert, dass in Peru wieder eine „schrecklich korrupte und blutige Diktatur wieder an die Macht kommt“, sagte Vargas Llosa in Madrid in Anspielung an die Regierung Alberto Fujimoris, der wegen Menschenrechtverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde und in Lima inhaftiert ist.

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