https://www.faz.net/-gpf-ag9c4

Huawei-Managerin ist frei : „Tränen steigen mir in die Augen“

Mit Blumen empfangen: Meng Wanzhou nach ihrer Ankunft am internationalen Flughafen der Stadt Shenzhen in China am 25. September Bild: Reuters

Die Huawei-Managerin Meng Wanzhou und China feiern ihre Entlassung aus dem kanadischen Hausarrest. Peking lässt gleichzeitig zwei Kanadier frei, die es als Faustpfand in seiner Hand gehalten hatte.

          2 Min.

          Die Huawei-Managerin Meng Wanzhou und ihr Heimatland feiern ihre Heimreise, nachdem sie am Freitag aus ihrem Arrest in Kanada entlassen worden war. „Je näher wir der Heimat kommen, desto emotionaler fühle ich mich, Tränen steigen mir in die Augen“, schrieb Meng laut einem Bericht von CNN auf einem nichtöffentlichen WeChat-Konto. „Ich danke meinem geliebten Heimatland und ich danke der Partei und der Regierung ... dass sie mir in den dunkelsten Stunden Licht gespendet haben.“ Unter der Führerschaft der Kommunistischen Partei bewege sich das „Heimatland“ auf dem Weg in Richtung „Prosperität“, so Meng. Die chinesische Zeitung Global Times, Sprachrohr der Regierung, bezeichnete die Nachricht von Mengs Heimflug als „großartige Neuigkeiten“.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Meng Wanzhou hatte am Freitag ein Einigung mit der Staatsanwaltschaft in New York erzielt. Danach lassen die Strafverfolger ihre Anklagepunkte gegen den Finanzvorstand von Huawei am 1. Dezember 2022 fallen, solange sie sich bis dahin an die geschlossene Abmachung hält. Meng hatte sich bei dem Termin in dem Gericht in Brooklyn, zu dem sie digital zugeschaltet war, für nicht schuldig erklärt, gestand jedoch indirekt ein, eine Bank über illegale Geschäft in Iran in die Irre geführt zu haben, indem sie die ihr präsentierten Vorwürfe als wahr anerkannte.

          Meng soll Sanktionen gegen Iran unterlaufen haben

          Meng Wanzhou war im Dezember 2018 im kanadischen Vancouver bei einem Zwischenstopp auf einer Reise nach Mexiko von den dortigen Behörden aufgrund eines Auslieferungsbegehrens der Vereinigten Staaten verhaftet worden. Die Tochter des Huawei-Gründers durfte das Gefängnis jedoch gegen Kaution verlassen und sich in ihr Luxusanwesen in der Stadt zurückziehen. Auch war ihr die freie Bewegung in drei Stadtteilen Vancouvers gestattet, wobei sie allerdings eine Fußfessel zur Überwachung tragen sowie von einem Sicherheitsdienst – für dessen Kosten sie selbst aufkommen musste – begleitet werden musste.

          Die Vereinigten Staaten warfen Meng vor allem Bankbetrug vor, um die Sanktionen gegen Iran zu umgehen. So habe sie gegenüber vier Banken falsche Angaben gemacht, um mit der Huawei-Tochter Skycom die internationalen Sanktionen gegen Teheran zu unterlaufen.

          Unterstützer von Michael Spavor und Michael Kovrig im März 2019 in Vancouver
          Unterstützer von Michael Spavor und Michael Kovrig im März 2019 in Vancouver : Bild: Reuters

          China hatte kurz nach der Verhaftung Mengs den früheren kanadischen Diplomaten Michael Kovrig und den kanadischen Geschäftsmann Michael Spavor unter fadenscheinigen Spionage-Vorwürfen festgenommen. Zwar bestritt die chinesische Führung immer wieder einen direkten Zusammenhang, doch wie sie auch darauf hin, das Problem könne von Kanada schnell gelöst werden. Somit versuchte Peking, Ottawa unter Druck zu setzen, dem amerikanischen Auslieferungsersuchen nicht stattzugeben. Beide Kanadier wurden in Prozessen in China für schuldig befunden. Spavor wurde im vergangenen Monat zu elf Jahren Haft verurteilt, die Länge der Strafe für Kovrig stand noch nicht fest.

          Nachdem am Freitag bekannt geworden war, dass Meng Wanzhou sich auf dem Heimweg befinde, ließ China auch die beiden Kanadier ausreisen. „Diese beiden sind durch eine unglaublich schwere Zeit gegangen“, sagte der kanadische Premierminister Justin Trudeau am Freitagabend. „In den vergangenen tausend Tagen haben sie Stärke, Beharrlichkeit, Widerstandskraft und Würde gezeigt und wir sind davon alle inspiriert“, so Trudeau weiter. Der kanadische Regierungschef war in den vergangenen Jahren hart kritisiert worden, dafür, die beiden Männer nicht früher nach Hause geholt zu haben. Trudeau hatte dabei immer auf die Unabhängigkeit der Justiz verwiesen.

          Es ist allerdings fraglich, ob Meng Wanzhous Heimkehr zu einem besseren Verhältnis zwischen China und den USA führen wird. Vor gut einer Woche hatte Präsident Joe Biden die Gründung eines neuen Sicherheitspakts mit Großbritannien und Australien verkündet, der dazu führen soll, dass Canberra atomar angetriebene U-Boote erhält. China sah das als gegen sich gerichtet an. Am Freitag kam Biden außerdem mit den übrigen Staats- und Regierungschefs der sogenannten Quad-Staaten – die USA, Japan, Indien, Australien – im Weißen Haus zusammen. Dort betonten sie die Freiheit und Sicherheit im indopazifischen Raum. Auch darauf reagierte Peking erbost. Die Quad-Staaten seien eine „geschlossene, exklusive Clique, die sich gegen andere Länder richtet“, hieß es aus dem chinesischen Außenministerium.

          Weitere Themen

          Was will Polen von der EU?

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. Frühdenker : Was will Polen von der EU?

          Es knirscht heftig zwischen Warschau und Brüssel: Ministerpräsident Morawiecki will nun „Polens Position im Detail“ vor dem EU-Parlament erklären. Ampel-Koalitionsgespräche könnten Donnerstag starten. Und die Frankfurter Buchmesse öffnet. Der F.A.Z.-Newsletter.

          Topmeldungen

          Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie: Was für die meisten Patienten nur ein unangenehmer Pieks ist, führt bei manchen zu schlimmen Panikattacken.

          Spritzen-Phobie : „Manche denken, sie müssten sterben“

          Seit März 2021 therapiert die Psychiaterin Angelika Erhardt Menschen, die unter unter krankhafter Angst vor Blut und Spritzen leiden. Ein Interview über das „Angst­gedächtnis“, Therapiemöglichkeiten und den Wunsch nach einer Corona-Impfung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.