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Huawei in Großbritannien : Johnson tanzt nicht nach der Pfeife Trumps

Die Spitze von St. Paul’s (rechts) in London Bild: AP

Großbritannien setzt zwar große Hoffnungen in ein Freihandelsabkommen mit Amerika. Die Huawei-Entscheidung zeigt aber: Premierminister Boris Johnson widersetzt sich den Wünschen des amerikanischen Präsidenten.

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          Die Entscheidung der britischen Regierung, den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei am Ausbau der 5G-Netzwerke zu beteiligen, dabei aber von Kernbereichen fernzuhalten, mag im Moment technisch vernünftig sein. Und sie wird das Verhältnis zu China vor dem Erkalten bewahren.

          Offenkundig will sich die Regierung Johnson in den heraufziehenden kalten Krieg zwischen China und Amerika nicht hineinziehen lassen. Ihr geht es dabei so wie ihren europäischen Partnern, denen der Londoner Beschluss Orientierung bietet. Die Sorge wegen Spionage und Sabotage dürfte damit allerdings nicht vom Tisch sein, schon gar nicht aus amerikanischer Sicht.

          Und da wird es interessant. Präsident Trump hat Premierminister Johnson wiederholt bis zur Peinlichkeit gerühmt. Er muss jetzt erfahren, dass der Gerühmte sich amerikanischen Wünschen widersetzt, sich Drohungen nicht beugt und Huawei eben nicht von der Liste streicht, selbst wenn Sicherheitserwägungen eine Rolle spielen.

          Wird Trump ihm das übel nehmen und sich entsprechend revanchieren, etwa in Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen? Könnte er gar das Vereinigte Königreich vom engen Austausch der Nachrichtendienste ausschließen?

          Das ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Sollte Washington seine Drohungen wahrmachen, wird man sehen, wie standhaft Johnson ist. In jedem Fall sollte London erkennen, dass ein Freihandelsabkommen mit der EU für das Land allemal wichtiger ist.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

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