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„Horn von Afrika braucht 1,6 Milliarden Dollar Hilfe“ : Unicef warnt vor Kinder-Massensterben in Ostafrika

  • Aktualisiert am

Unterernährtes Kind in Mogadischu Bild: AFP

Nach Angaben der UN sind 1,6 Milliarden Dollar nötig, um die Situation in den Ländern des von einer Hungersnot bedrohten Horns von Afrika zu verbessern. Die Bundesregierung stockte ihre Hilfe derweil um zusätzlich 15 Millionen Euro auf.

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          Nach Angaben der UN sind in den kommenden Monaten 1,6 Milliarden Dollar nötig, um eine humanitäre Katastrophe am Horn von Afrika abzuwenden. Dies sagte der Generaldirektor der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Jacques Diouf, am Montag nach einer Konferenz zur Situation in Somalia und den Nachbarländern in Rom.

          „Trockenheit, Inflation und innere Konflikte haben eine katastrophale Situation herbeigeführt, in der dringend internationale Hilfe nötig ist“, sagte Diouf. Rund zwölf Millionen Menschen sind nach Angaben der FAO von der Notlage betroffen. In den beiden südlichen Provinzen von Somalia gebe es bereits eine Hungersnot. Verzweifelte Frauen müssten ihre sterbenden Kinder auf der Flucht am Straßenrand zurücklassen, um die stärkeren Geschwister durchzubringen, sagte die Direktorin des UN-Welternährungsprogramms, Josette Sheeran, am Montag in Rom.

          Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sind in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits mehr als 2,3 Millionen Kinder akut mangelernährt. Mehr als 500.000 Mädchen und Jungen seien so ausgezehrt, dass nur sofortige Behandlung ihr Leben retten könne. Allein um diese Notlage zu lindern, sind nach Angaben von Unicef bis zum Jahresende 300 Millionen Euro notwendig. Bisher wurde bekannt, dass die Weltbank für landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte 500 Millionen Euro bereitgestellt hat.

          Vom Hunger in die Hauptstadt Mogadischu getriebene Frauen stehen für Lebensmittel an

          Bundesregierung stockt Hilfen auf

          Die Bundesregierung kündigte am Montag an, zusätzliche 15 Millionen Euro für die hungernde Bevölkerung am Horn von Afrika bereitzustellen. Die deutsche Hilfe belaufe sich damit auf mehr als 30 Millionen Euro, teilte das Entwicklungsministerium mit. „Die schlimme Lage für die Menschen am Horn von Afrika muss schnell gelindert werden, um so viele Menschenleben wie möglich zu retten“, sagte Entwicklungsminister Niebel (FDP).

          Doch dürfe man neben den Notmaßnahmen nicht die Unterstützung der Landwirtschaft in den betroffenen Ländern vernachlässigen. Niebel wies darauf hin, dass auch die EU-Kommission ihre Unterstützung für die Region um 60 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro aufgestockt habe. Die FAO, die die Konferenz zu Somalia in Rom organisiert hatte, berichtete, dass es immer noch möglich sei, landwirtschaftliche Aktivitäten in der Region zu retten. Den örtlichen Bauern, Fischern und Viehzüchtern müsse nun Unterstützung gewährt werden, um längerfristig die Ernährungsgrundlage der Region zu erhalten.

          Das in den Vereinten Nationen für akute Nothilfe mit Nahrungsmitteln zuständige „World Food Program“ will bereits an diesem Dienstag erste Flüge an Nahrungsmittelhilfe in Richtung Somalia organisieren. Unsicher ist dabei, ob die vom Hunger betroffenen Provinzen Somalias im Süden mit Nahrungsmittelhilfe beliefert werden können. Die dort herrschenden, islamistischen Shabaab-Milizen hatten zunächst keine Hilfe ins Land gelassen, dann selbst um Hilfe gebeten. Nun wird aus Somalia berichtet, die Milizen hätten die Vereinten Nationen der Lüge über die Ernährungslage bezichtigt. (Siehe auch: Hungerkrise in Somalia: Islamisten gewähren Nothelfern keinen Zugang)

          Lebensmittelpreise um 240 Prozent gestiegen

          Nach der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren ist nach UN-Angaben in Teilen Somalias eine Hungersnot ausgebrochen. (Siehe auch: UN erklären Teile von Somalia zu Hungergebiet) Dort sind 3,7 Millionen Menschen akut von der Hungersnot bedroht. Auch die Nachbarländer Äthiopien und Kenia sind betroffen. Nach Angaben der FAO sind die Lebensmittelpreise am Horn von Afrika durchschnittlich im Jahresvergleich um 240 Prozent gestiegen.

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