https://www.faz.net/-gpf-9okg3

Proteste in Hongkong : Polizei geht mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor

  • Aktualisiert am

Ein Demonstrant in Hongkong bringt seine Meinung der Polizei gegenüber am Montag deutlich zum Ausdruck. Bild: Reuters

Vor 22 Jahren wurde Hongkong an China übergeben und seitdem genießen die Einwohner spezielle Rechte. Gegen eine mögliche Einschränkung protestieren sie seit Wochen und fordern den Rücktritt der Regierungschefin.

          In Hongkong ist es am 22. Jahrestag der Übergabe der früheren britischen Kronkolonie abermals zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging am Montag mit Schlagstöcken auf die Demonstranten los und setzte Pfefferspray ein, um die Menschenmengen auseinanderzutreiben. Um sich zu schützen, trugen die teils in schwarz gekleideten Demonstranten Schutzhelme, Masken und Regenschirme.

          Einige versuchten, das Hongkonger Parlament zu stürmen, dabei gingen Fensterscheiben zu Bruch. Etwa Hundert Bereitschaftspolizisten bewachten das Regierungsgebäude. Die Stimmung in der Metropole war angespannt. Polizisten hielten ein rotes Banner hoch, das Demonstranten davor warnte, weiter vorzumarschieren. Ansonsten würden sie Gewalt anwenden.

          „Der friedliche Weg funktioniert nicht“

          Tausende versammelten sich bei Temperaturen von mehr als 30 Grad für die jährliche Protestaktion im zentralen Victoria Park. „In den vergangenen Jahren sind wir aktiver geworden, weil wir gemerkt haben, dass der friedliche Weg nicht funktioniert“, sagte ein 24 Jahre alter Demonstrant.

          Bilderstrecke

          Seit Wochen protestieren Millionen Menschen in Hongkong gegen ein Gesetzesvorhaben, das Auslieferungen auch von Ausländern an China ermöglichen soll. Dabei kam es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei.

          Bei den Feierlichkeiten zu dem Jahrestag trat auch Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam zum ersten Mal seit gut zwei Wochen wieder öffentlich auf. Sie wirkte müde. Demonstranten fordern ihren Rücktritt. Sie werfen Lam eine zu große Nähe zu China vor. Ihr Versuch, auf die Demonstranten zuzugehen, indem sie das Vorhaben bis auf weiteres aufschob, aber nicht kippte, half nicht. China sicherte Lam die Unterstützung zu. Lam versprach am Montag, mehr für junge Leute zu tun und den Regierungsstil zu ändern.

          Die Bevölkerung der früheren britischen Kronkolonie Hongkong genießt seit der Übergabe an China im Jahr 1997 unter dem Motto „ein Land, zwei Systeme“ Freiheiten wie zum Beispiel die der Meinungsäußerungen, die sonst in der Volksrepublik tabu sind. Diese sehen die Demonstranten gefährdet. Die Gegner der umstrittenen Gesetzesänderung befürchten dem Justizsystem Chinas ausgesetzt zu werden. Menschenrechtler werfen China mutmaßlich Folter, willkürliche Inhaftierungen, Zwangsgeständnisse sowie einen fehlenden Zugang zu Anwälten vor. Auch im Ausland war das inzwischen auf Eis gelegte Auslieferungsgesetz auf Kritik gestoßen. Finanzberatern, Bankern und Anwälten zufolge ziehen Hongkongs Magnaten bereits ihre privaten Vermögen ab.

          Weitere Themen

          Vorübergehend berechenbar

          Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

          Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

          Johnson blitzt bei Juncker ab

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.

          Topmeldungen

          2007 sitzt Kanzlerin Angela Merkel von dem Eqi Gletscher in Dänemark – heute ist der Klimawandel eine ihrer größten Herausforderungen. (Archivbild)

          Klimapolitik der CDU : Die größte Baustelle der Merkel-Ära

          Die CDU will endlich den gordischen Klima-Knoten durchschlagen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn der Preis auf Kohlendioxid nicht so endet wie die Energiewende.

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
          Samstagabend in Lampedusa: 82 Gerettete wurden an Land gebracht

          Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

          Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.