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Hongkong : Konsulatsmitarbeiter in China freigelassen

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Ein Demonstrant hält ein Plakat mit der Aufschrift „Missing“ (Vermisst) und einem Bild von Hongkonger Simon Cheng Man-Kit. Bild: dpa

Aus Protest gegen die Regierung sind in der chinesischen Sonderverwaltungszone abermals Tausende auf die Straße gegangen. Unterdessen ließ China einen Mann frei, der zwei Wochen zuvor ohne Lebenszeichen verschwunden war.

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          Während in Hongkong abermals Tausende Menschen gegen die Regierung demonstrieren, ist ein in China verhafteter Mitarbeiter des britischen Konsulats in der Sonderverwaltungszone wieder freigekommen. Er sei am Samstag freigelassen worden, teilte die Polizei mit. Simon Cheng habe die Anschuldigungen zugegeben, die gegen ihn erhoben worden seien.

          Der chinesische Konsulatsmitarbeiter sei 15 Tage in Haft gewesen, weil er gegen gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit verstoßen habe, erklärte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Weibo. Cheng war am 8. August auf der Rückreise von Shenzhen nach Hongkong verschwunden. Erst zwei Wochen später gab China seine Inhaftierung bekannt.

          Für die sogenannte Verwaltungshaft ist in China kein Gerichtsurteil nötig. Die Polizei kann sie nach Ermessen anordnen. Bis zu 20 Tage dürfen Menschen festgehalten werden.

          Hongkong kommt nicht zur Ruhe

          Bei neuen Protesten in Hongkong lieferten sich Demonstranten und Polizei unterdessen Auseinandersetzungen. Die Sicherheitskräfte gingen am Samstag mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Teilnehmer einer Demonstration im Industriebezirk Kwun Tong vor, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mehrere Demonstranten wurden demnach festgenommen.

          Zuvor hatten die Sicherheitskräfte den mehrere tausend Teilnehmer zählenden Protestzug in der Nähe einer Polizeiwache gestoppt. Radikale Demonstranten hatten daraufhin Barrikaden errichtet und die Polizisten mit Gegenständen beworfen.

          Menschenkette nach Vorbild von 1989

          Am Freitagabend hatten bei Demonstrationen nach Angaben der Organisatoren 135.000 Menschen eine Menschenkette rund um die Stadt gebildet. Sie folgten damit einem Vorbild aus dem Jahr 1989, als schätzungsweise zwei Millionen Menschen in den drei baltischen Staaten so gegen die Sowjetunion protestierten.

          In Hongkong gibt es seit Wochen Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Chinas. Die Demonstranten fürchten eine Beschneidung ihrer Rechte und werfen Regierungschefin Carrie Lam eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vor.

          Die chinesische Regierung hat den Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zuletzt immer unverhohlener gedroht. So brachte sie die Demonstranten mit „Terrorismus“ in Verbindung und schickte Truppen an die Grenze. Zuletzt wuchs deswegen die Sorge vor einem chinesischen Militäreinsatz.

          Die frühere britische Kronkolonie Hongkong ist seit 1997 chinesische Sonderverwaltungszone. Ihre Einwohner genießen größere persönliche Freiheiten als in der Volksrepublik.

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