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Nach Schüssen auf Demonstranten : „Die Mobs haben die Taktiken verschärft“

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam bei einer Pressekonferenz am Montag Bild: AFP

Bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz verurteilt Hongkongs Regierungschefin die jüngste Eskalation der Gewalt. Die Polizei müsse darauf reagieren – sich aber auch an die Regeln halten.

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          Nach einer weiteren Eskalation der Gewalt in Hongkong hat Regierungschefin Carrie Lam abermals jegliche Zugeständnisse an die Protestbewegung ausgeschlossen. „Wenn es immer noch irgendwelches Wunschdenken gibt, dass eine Eskalation der Gewalt Druck erzeugt, um die so genannten politischen Forderungen zu erreichen, erkläre ich hier klar und laut: Das wird nicht passieren“, sagte Carrie Lam auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Montagabend.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Am Morgen war ein Student von einem Verkehrspolizisten mit scharfer Munition angeschossen worden. Er befinde sich nach einer Operation weiterhin in einem kritischen Zustand, sagte Lam. Zu dem Vorfall sei es gekommen, während die Polizei ihren Pflichten nachgekommen sei. Auf die Frage eines Reporters, ob die Polizeiführung ihre Beamten nicht mehr unter Kontrolle habe, antwortete sie, „die Mobs haben die Taktiken verschärft. Die Polizei muss sich entsprechend verhalten. Aber das heißt nicht, dass sie Regeln missachten können.“ Die Polizei nehme den Fall ernst, sagte Lam.

          Persönliche Daten des Schützen veröffentlicht

          Zuvor hatte die Polizei bestätigt, dass ein Verkehrspolizist, der versucht habe, Aktivisten davon abzuhalten, eine Straße zu blockieren, insgesamt drei Schüsse abgegeben habe. Einer der Schüsse habe einen Aktivisten getroffen, der versucht habe, dem Polizisten seine Waffe zu entreißen.

          Lokale Medien verbreiteten ein Video, auf dem der Vorfall zu sehen ist. Die persönlichen Daten des Schützen wurden von Aktivisten im Internet veröffentlicht. Er und seine Familie erhielten laut lokalen Medienberichten unzählige Drohnachrichten.

          Ebenfalls lebensgefährlich verletzt wurde am Montag ein Passant, der mutmaßlich von einem Aktivisten in Brand gesetzt wurde. Auf einem Video, das im Internet kursierte, ist zu sehen, wie der Mann eine Gruppe von vermummten Aktivisten beschimpft. Daraufhin übergießt ihn jemand mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündet ihn an.

          Eskalation nach Tod eines Studenten

          Die Hongkonger Regierungschefin sprach von einem „inhumanen Akt“, der „weit außerhalb der Grenzen des Kampfes für Freiheit liegt“. Insgesamt seien am Montag 60 Personen verletzt worden, sagte Lam.

          Auslöser der jüngsten Eskalation war am Freitag der Tod eines Studenten, der aus ungeklärten Gründen in einem Parkhaus tödlich gestürzt war. Viele Aktivisten machen die Polizei für den Vorfall verantwortlich, weil sie in der Nähe des Parkhauses mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen war.

          Am Montag kam es zu massiven Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr. U-Bahn-Linien wurden gesperrt, nachdem Unbekannte Objekte auf die Gleise geworfen und einen Brandsatz in einer U-Bahn gezündet hatten. Aktivisten errichteten zudem in zahlreichen Stadtteilen Straßenblockaden. Die Universitäten der Stadt sagten für Dienstag alle Lehrveranstaltungen ab. Angehörige der Protestbewegung riefen zu einem „massiven zeitlich unbegrenzten Streik“ auf.

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