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Homosexuellen-Demo : Grünen-Politiker Beck in Rußland angegriffen

  • Aktualisiert am

Beck nach der Attacke Bild: REUTERS

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, ist in Moskau von rechtsradikalen Jugendlichen zusammengeschlagen und verletzt worden. Er hatte an einer Schwulenparade teilnehmen wollen.

          2 Min.

          Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist am Samstag bei einer nicht genehmigten Kundgebung homosexueller Demonstranten in Moskau verletzt worden. „Erst wurde ich von einem Stein getroffen. Dann schlug mir ein junger Neonazi mit der Faust ins Gesicht“, berichtete der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion in Moskau. Beck, der bekennender Homosexueller ist, sollte am Abend in der deutschen Botschaft von einem Arzt untersucht werden.

          Ein Polizeisprecher teilte nach Angaben der Agentur Interfax mit, daß insgesamt 120 Menschen bei den Tumulten im Stadtzentrum festgenommen worden seien. In der russischen Politik wurde einhellig den Homosexuellen die Schuld an der Eskalation der Lage gegeben. Beck warf der Polizei vor, die friedlichen Schwulen und Lesben absichtlich nicht vor den Schlägerbanden geschützt zu haben. Auf dem Platz vor dem Rathaus hätten Einsatzkräfte die Gruppe der demonstrierenden Homosexuellen und die Extremisten zusammengetrieben und damit die Schwulen und Lesben den Schlägern ausgeliefert.

          Erst ein Tritt, dann die Entschuldigung

          Der im Gesicht blutende Beck wurde zu einem Polizeibus gebracht. „Man hat mich mit einem Fußtritt in das Fahrzeug gezwungen“, sagte der Grünen-Politiker später. Erst nachdem die Polizei über seine Identität aufgeklärt worden sei, habe man sich für das Vorgehen gegen den Bundestagsabgeordneten entschuldigt. „Man darf nicht zulassen, daß die Polizei die friedlichen Schwulen und Lesben nicht gegen Schläger schützt“, bekräftigte Beck in Moskau.

          Polizisten nehmen einen der Demonstranten fest
          Polizisten nehmen einen der Demonstranten fest : Bild: AP

          Bereits vor Tagen hatten schwule und lesbische Aktivisten angekündigt, ungeachtet des Verbots eine Parade zum internationalen Christopher-Street-Day in Moskau abzuhalten. Etwa zwei Dutzend Homosexuelle versammelten sich auf dem Platz vor dem Rathaus. Dort kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit mehreren Gruppen von Menschen, die ihren Unmut über die homosexuelle Kundgebung äußerten. Unter den Festgenommenen waren nach Medienberichten mehrere Repräsentanten von russischen Schwulen- und Lesbenorganisationen.

          Mit Schlagstöcken gegen Rechtsradikale

          Einige hundert Meter entfernt ging eine Hundertschaft der Polizei-Spezialeinheit OMON mit Schlagstöcken gegen eine größere Gruppe mutmaßlicher Rechtsradikaler vor. Etwa 50 Männer wurden festgenommen. Sie hatten versucht, zur Homosexuellen-Kundgebung vorzudringen. Einige zündeten Feuerwerkskörper und warfen Rauchbomben in Richtung der Homosexuellen. Im russischen Parlament bezeichnete ein Sprecher die öffentliche Versammlung der Schwulen und Lesben als „Provokation“ und lobte das Vorgehen der Polizei. „Man sollte sein abweichendes Verhalten von allgemein akzeptierten Normen nicht öffentlich zur Schau stellen und das auch noch als Menschenrecht darstellen“, sagte der Leiter des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur im Föderationsrat, Viktor Schudegow der Agentur Itar-Tass.

          Gleichgeschlechtliche Liebe stand in Rußland bis 1993 unter Strafe. Die orthodoxe russische Kirche verurteilt praktizierte Homosexualität als „Sünde“. Rußland hat als Mitglied des Europarates die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit für alle Bürger zu sichern und Minderheiten im Land zu schützen. Zu dem Angriff auf Beck sagten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn: „Wir fordern Rußland auf, die Menschenrechte zu achten. Dazu gehört auch, friedliche Demonstrationen zu ermöglichen und die teilnehmenden Menschen zu schützen. Auch eine Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer sexuellen Ausrichtung ist nicht hinnehmbar.“

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