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Homosexualität in Afrika : Lebenslänglich für Lebensgemeinschaft

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James Mwape (r) verlässt nach seinem Freispruch mit einem Verwandten das Gericht in Kapiri Mposhi Bild: AFP

Ein schwules Paar in Sambia wurde auf politischen Druck freigesprochen. Doch auf dem ganzen Kontinent sind Homosexuelle mit repressiven Gesetzen und Diskriminierung konfrontiert.

          14 Monate saßen James Mwape und Phillip Mubiana in Untersuchungshaft, weil sie ein Liebespaar sind. Homosexualität gilt in Sambia, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, als Verbrechen. Dem Frisör und dem Maurer drohten im Fall einer Verurteilung Haftstrafen zwischen 14 Jahren und lebenslänglich. Dass die beiden Sambier am Donnerstag in der Provinzstadt Kapiri Mposhi überraschend freigesprochen wurden, ist nicht zuletzt einigen westlichen Botschaftern zu verdanken, unter ihnen der deutsche und der amerikanische. Sie konnten die sambische Regierung offenbar davon überzeugen, dass Sambias Ansehen international großen Schaden nehmen könnte, sollten die beiden Männer tatsächlich verurteilt werden. Der Richter in Kapiri Mposhi vernahm die entsprechende Botschaft der Führung und befand prompt die ohnehin schlampige Beweisführung der Staatsanwaltschaft als unzureichend. Gleichwohl forderte er in seiner Urteilsbegründung, Homosexualität zum Schutz der „sambischen Identität“ weiterhin strafrechtlich zu ahnden.

          Aufschlussreich über diese „sambische Identität“ waren vor allem die Begleitumstände des Prozesses. Den westlichen Diplomaten und westlichen Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Angeklagten eingesetzt hatten, wurde „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ vorgeworfen, „Verstöße gegen die christliche Lehre“ und die „Zerstörung afrikanischer Identität“. Homosexualität sei ein „westliches Konzept“, und sein Export nach Afrika ziele auf die Unterminierung der „afrikanischen Kultur“. Das Ganze gipfelte in einem Thesenpapier, in dem die Appelle an die Menschlichkeit mit dem Argument verworfen wurden, sexuelle Handlungen unter Gleichgeschlechtlichen seien „unmenschlich“ und die Personen, die diese vornähmen seien folglich keine Menschen. In dieser Frage herrscht übrigens Einigkeit zwischen Opposition und Regierung in Sambia.

          Wenn der Prozess in Kapiri Mposhi für die beiden Angeklagten auch glimpflich ausging, steht er doch beispielhaft für die Schwulenhatz in vielen afrikanischen Ländern. In drei Vierteln aller Länder auf dem Kontinent wird Homosexualität mit Gefängnis bestraft. In Uganda steht darauf lebenslänglich, in Nigeria riskieren Homosexuelle bis zu 14 Jahre Haft für eine gleichgeschlechtliche Ehe und zehn Jahre Haft für gleichgeschlechtliches Zusammenleben. In Kamerun, in Kenia, in Zimbabwe: überall sind Homosexuelle mit staatlicher Repression und Diskriminierung konfrontiert.

          Wenn in Kenia zwei Männer eine Lebensgemeinschaft bilden, wird das mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass es zwischen den beiden zu „widernatürlichen Handlungen“ kommt. Wenn zwei Frauen zusammenziehen, ist das hingegen legal. Grundlage für diese Gesetzgebung sind die Bibel und ihr Sündenkatalog, der allerdings je nach Interessenlage interpretiert wird. Als das kenianische Parlament im März mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedete, wonach es Männern künftig erlaubt ist, auch ohne Einverständnis der ersten Frau eine zweite und eine dritte Frau zu heiraten, fanden das nur die weiblichen Mitglieder des Parlaments sittenwidrig.

          Der Schutz ist nur theoretisch

          Der zimbabwische Präsident Robert Mugabe verortete Homosexuelle unlängst auf einer Stufe „mit Schweinen und Hunden“. Und dort, wo Homosexualität von der Verfassung geschützt wird wie etwa in Südafrika, ist dieser Schutz bestenfalls ein theoretischer. Immer wieder werden dort lesbische Frauen vergewaltigt, um sie so „auf den richtigen Weg“ zu bringen.

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