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Homosexualität : Der Papst drückt sich

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus beim Internationalen Friedensgebet in der Basilika Santa Maria Bild: dpa

Franziskus muss den Katechismus ändern. Andernfalls können alle Dokumentarfilme dieser Welt nichts mehr daran ändern, dass er ein Papst der barmherzigen Unverbindlichkeit bleibt.

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          Homosexuelle Handlungen „sind in keinem Fall zu billigen“, weil sie gegen „das natürliche Gesetz“ verstoßen. Homosexuelle Personen sind daher „zur Keuschheit gerufen“. So steht es im Katechismus der katholischen Kirche geschrieben. Und daran hat auch Papst Franziskus in den nunmehr siebeneinhalb Jahren seit seinem Amtsantritt trotz aller Wer-bin-ich-darüber-zu-urteilen-Rhetorik kein Jota geändert. Was bedeutet es da, dass er in einem Dokumentarfilm, der während eines Filmfestivals in Rom gezeigt wurde, eingetragene Partnerschaften befürwortet? Nicht viel.

          Ja, es stimmt: So etwas hat noch kein Papst vor ihm gesagt. Aber homosexuellen Paaren ist nicht damit geholfen, dass der Papst neuerdings für ihre rechtliche Anerkennung eintritt, wenn die katholische Kirche ihnen gleichzeitig nach wie vor attestiert, dass das, was sie tun, moralisch verwerflich ist. In Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, geht es ohnehin längst nicht mehr darum, wie die katholische Kirche zu eingetragenen Partnerschaften steht. Es geht darum, ob eine kirchliche Segnung solcher Paare möglich ist. Franziskus drückt sich im Umgang mit Homosexuellen, wie so oft, vor einer klaren Entscheidung: Er will sie nicht verurteilen, ist aber nicht bereit, die Verurteilung homosexueller Handlungen zu revidieren. Damit erhält er die Illusion der kirchlichen Lehre aufrecht, dass beides zugleich glaubhaft möglich sei.

          Manche sagen, das sei alles Taktik, eigentlich wolle der Papst viel mehr, müsse aber auf erzkonservative Kräfte Rücksicht nehmen. So fingen Revolutionen in der Kirche eben an. Nehmen wir mal an, es wäre so. Der Papst nimmt also Rücksicht auf jene, die sich nicht eingestehen wollen, dass hier zeitgebundene kulturelle Prägungen theologisch verbrämt werden. Das hat er jedoch schon viel zu lange getan. Franziskus muss den Katechismus ändern. Andernfalls können alle Dokumentarfilme dieser Welt nichts mehr daran ändern, dass er ein Papst der barmherzigen Unverbindlichkeit bleibt.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

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