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„Homegrown terrorism“ : Amerikas neuer Blick auf den Terrorismus

  • -Aktualisiert am

Der Times Square nach Entdeckung der Autobombe im Mai Bild: dapd

In den Vereinigten Staaten nimmt die Bedrohung durch „homegrown terrorism“ zu. Auch die Warnungen sind inzwischen laut und deutlich. Das sei zu lange nicht der Fall gewesen, kritisieren Fachleute.

          In den amerikanischen Medien hat das nicht so neue Phänomen jetzt einen neuen Namen bekommen: Vom Re-Export von Terrorismus ist immer wieder die Rede. Was darunter zu verstehen ist, hat in der Nacht zum Mittwoch in einem New Yorker Gerichtssaal der gescheiterte Times-Square-Attentäter Faisal Shahzad in aller Deutlichkeit klargemacht. Soeben war der 30 Jahre alte naturalisierte Amerikaner pakistanischer Herkunft zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verurteilt worden, als er Richterin Miriam Cedarbaum, den Geschworenen und allen anderen im Gerichtssaal sowie draußen im Land folgende Warnung entgegenschleuderte: „Macht euch gefasst darauf, dass der Krieg mit den Muslimen gerade erst begonnen hat. Die Niederlage der Vereinigten Staaten wird kommen!“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wenn es nach seiner düsteren Prophezeiung geht, dann werden radikalisierte amerikanische Muslime wie er, Shahzad, nach Reisen zu ihren vermeintlichen Ursprüngen – und nach einer Ausbildung in Terrorlagern – im Herzen ihres neues Heimatlands zuschlagen. In Deutschland, Frankreich, Großbritannien und anderen europäischen Ländern wie auch in den Vereinigten Staaten beschäftigt der sogenannte heimischen Terrorismus (homegrown terrorism) die Sicherheitsbehörden. Ins Visier nimmt diese neue Generation von Terroristen vor allem „weiche Ziele“, die nur schwer oder gar nicht geschützt werden können: Einkaufszentren, belebte Plätze, Verkehrsmittel am Boden, Touristenattraktionen. Dass diese Terroristen über europäische oder amerikanische Reisepässe und genaue Kenntnisse ihrer Heimatländer verfügen, macht sie besonders gefährlich.

          Meineid auf die Verfassung

          Shahzad, der am Abend des 1. Mai ein mit Sprengsätzen präpariertes Auto am belebten Times Square in Manhattan parkte, das aber wegen eines defekten Zeitzünders glücklicherweise nicht detonierte, wurde 1979 in Pakistan geboren. Shahzads Vater ist ein pensionierter Offizier der pakistanischen Luftwaffe und ehemaliger Vizedirektor der zivilen Luftfahrtsbehörde. Der junge Faisal besuchte Privatschulen in Pakistan und Saudiarabien, 1997 erhielt er ein Studentenvisum für die Vereinigten Staaten und studierte Informatik und Marketing in Washington. Nach dem Abschluss erhielt er ein neues Visum – für qualifizierte Arbeitsplatzbewerber. Er arbeitete in der Buchhaltung eines Unternehmens in Kalifornien, später bei dem Kosmetikunternehmen Elizabeth Arden in Stamford in Connecticut. 2005 erwarb er zusätzlich einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre.

          Der gescheiterte Times-Square-Attentäter Faisal Shahzad wurde zu einer lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

          2004 heiratete Shahzad eine pakistanischstämmige Amerikanerin, in den folgenden Jahren wurden zwei Kinder geboren. Die Familie kaufte in dem Städtchen Shelton in Connecticut ein Häuschen. Im April 2009 wurde Shahzad schließlich Amerikaner und legte – wie er beim Urteilsspruch vom Dienstag voller Stolz zugab – einen Meineid auf die amerikanische Verfassung ab, weil er sich längst dem bewaffneten Dschihad gegen Amerika verschrieben hatte. Vor dem versuchten Attentat verbrachte er mehrere Monate im Nordwesten Pakistans, wo Taliban und Al Qaida Trainingslager unterhalten.

          Gleiche Gefahren für Amerikaner und Europäer

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