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Kongresswahlen in Amerika : Holocaustleugner tritt für Republikaner an

Holocaust-Leugner: Arthur Jones Bild: AP

Arthur Jones nennt den Holocaust die „größte Lüge der Geschichte“ und wird von den Republikanern als Nazi bezeichnet. Trotzdem ist er in einem Wahlbezirk in Illinois nun der republikanische Kandidat für die Kongresswahlen.

          Im dritten Wahlbezirk des amerikanischen Bundesstaates Illinois tritt im November ein bekannter Holocaustleugner für die republikanische Partei an. Arthur Jones errang die Nominierung am Dienstag in der Vorwahl. Die Republikanische Partei hatte keinen anderen Kandidaten aufgestellt. Der dritte Wahlbezirk umfasst Teile Chicagos und der Vororte der Millionenstadt und ist seit Jahrzehnten von den Demokraten dominiert. Hillary Clinton triumphierte bei der Präsidentenwahl 2016 hier mit 15 Prozent Vorsprung vor Donald Trump.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der 70 Jahre alte Jones hatte bereits fünf Mal versucht, die Nominierung der Republikaner für eine Wahl zu erringen, war jedoch bislang immer gescheitert. Tim Schneider, der Vorsitzende der Republikaner im Staat Illinois, sagte über Jones: „Arthur Jones ist kein richtiger Republikaner – er ist ein Nazi, dessen abstoßende, bigotte Ansichten keinen Platz in den Diskussionen in unserem Land haben.“ Die Partei hat nun angekündigt, bei der Wahl im November einen unabhängigen Kandidaten zu unterstützen, unter anderem mit Finanzhilfen.

          Seit den siebziger Jahren war Jones in der American Nazi Party engagiert und unterstützte weiße Rassisten. In der Universität nahm er eigenen Aussagen zufolge sowohl an Treffen der Jungen Republikaner als auch an den Zusammenkünften einer nationalsozialistischen Studentengruppe teil. Vor seinem Umzug nach Illinois versuchte er 1976 Bürgermeister von Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin zu werden. Seine Bewerbung im Namen der Nationalsozialistischen Partei Weißer Menschen war jedoch erfolglos.

          Jones selbst sagt, die Sache mit den Nazis sei vorbei und liege in der Vergangenheit. In einem Interview bezeichnete er den Holocaust jedoch als „stark übertriebenes Nicht-Ereignis“ und „internationalen Erpressungsversuch“. Auch auf der offiziellen Internetseite seine Kampagne gibt es einen Punkt „Holocaust?“. Dort wird ein Dokument präsentiert, das die Überschrift „Der Holocaust-Betrug“ trägt und in der linken oberen Ecke einen Davidstern mit eingelegtem Hammer-und-Sichel-Symbol zeigt. In dem Dokument wird der Holocaust als „größte, schwärzeste Lüge der Geschichte“ bezeichnet. Es gebe keine Beweise dafür, dass der Holocaust stattgefunden habe, außer den Aussagen „einiger professioneller Holocaust-Überlebender“. Die Lüge werde nur weiter erzählt, um Geld zu verdienen, heißt es weiter.

          Der Sitz des dritten Bezirks im Abgeordnetenhaus in Washington ist seit 1975 in der Hand der Demokraten und seit 1993 in der der Familie Lipinski. 1993 gewann Bill Lipinksi die Wahl, seit 2005 konnte sein Sohn Daniel den Sitz verteidigen. Dieser setzte sich Dienstag auch in der Vorwahl der Demokraten gegen seine Konkurrentin Marie Newman durch und wird im November gegen Jones antreten. Der 51 Jahre alte Lipinski hatte sich im Vorwahlkampf deutlich gegen Jones geäußert. Er nannte Jones' Überzeugungen „bigott und antisemitisch“. Er sagte, sie stießen ihn „persönlich ab, weil ich glaube, dass jeder Mensch ein gottgegebenes Recht hat, mit Würde behandelt zu werden“.

          Die Vorwahl der Demokraten in dem Wahlbezirk von Illinois war angesichts der Debatte mit Spannung erwartet worden, ob die Partei im Rennen gegen die Republikaner nach links rücken oder auf konservative Kandidaten setzen müsse, die auch für Republikaner vor Ort wählbar sind. Lipinski gilt als Vertreter der Konservativen, der Schwangerschaftsabbrüche ablehnt und unter anderem gegen Obamacare gestimmt hat. Newman konnte sich hingegen der Unterstützung bekannter Linker wie Kerstin Gillibrand und Bernie Sanders sicher sein. Die Wahl ging denkbar knapp aus: Lipinski errang seinen Sieg mit 50,9 Prozent.

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