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Holocaust-Gesetz in Polen : Das Verbrechen entzweit die Überlebenden

Früheres Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Bild: AP

Polen hat ein Gesetz bestätigt, das jedem Haft androht, der von „polnischen Todeslagern“ spricht. Israel wirft Warschau vor, Antisemitismus leugnen zu wollen.

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          Wer verstehen will, warum es zwischen Israel und Polen Streit gibt, wie seit Jahren nicht mehr, kann sich die Geschichte der Familie Ulma nicht ersparen. Sie ist fürchterlich, aber sie muss sein.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Als Deutschland die Vernichtung des europäischen Judentums begann, fanden im besetzten ostpolnischen Städtchen Markowa acht Juden, Frauen, Kinder und Männer aus den Familien Szall und Goldman bei der christlichen Familie Ulma Unterschlupf. Sie lebten versteckt im Schutz ihrer Nachbarn, des Bauern Jozef Ulma und seiner Frau Wiktoria mit ihren sechs kleinen Kindern, bis jemand sie verriet – wahrscheinlich ein polnischer Polizist, der es auf ihr Eigentum abgesehen hatte. Die deutschen Besatzer wurden begleitet vom mutmaßlichen Denunzianten und weiteren polnischen Polizisten, die damals mit den Nazis kollaborierten. Sie stürmten das Anwesen der Ulmas in den Morgenstunden des 24. März 1944. Die Ulmas, die Szalls und die Goldmans wurden sofort erschossen, elf Kinder und fünf Erwachsene. Bei Wiktoria Ulma, die hochschwanger war, setzte während ihrer Ermordung die siebte Geburt ein.

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