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Hollandes Amtseinführung : Au revoir Président, bonjour Président!

Neue Bescheidenheit im Elysée-Palast: Hollande (rechts) will zurückhaltender auftreten als Sarkozy. Hinter ihnen Valérie Trierweiler (links) und Carla Bruni

Neue Bescheidenheit im Elysée-Palast: Hollande (rechts) will zurückhaltender auftreten als Sarkozy. Hinter ihnen Valérie Trierweiler (links) und Carla Bruni Bild: LUDOVIC/REA/laif

An seinem ersten Tag im Amt gibt der neue französische Präsident François Hollande den Anti-Sarkozy. Er spricht den Franzosen Mut und Zuversicht zu - ganz ohne Showeffekte.

          4 Min.

          Zum Abschied spielt Nicolas Sarkozy dem strikten republikanischen Protokoll einen letzten Streich. Nicht allein, wie es die Tradition will, sondern Hand in Hand mit seiner Ehefrau Carla Bruni verlässt er, dem Spalier stehenden Personal zuwinkend, über den roten Teppich den Elysée-Palast. Showeffekte wie diese sucht sein Nachfolger zu vermeiden. Valérie Trierweiler, seine zehn Jahre jüngere Lebensgefährtin im eleganten schwarzen Kleid, hält sich am Dienstag im Hintergrund. Die Kinder der beiden, insgesamt sieben, sind der Zeremonie ganz ferngeblieben. Auch Ségolène Royal fehlt. Hollande will die Seinen nicht in Szene setzen. Das hat er schon klar gemacht, bevor er an diesem verregneten Morgen im Festsaal des Elysée-Palastes vom Präsidenten des Verfassungsrates, Jean-Louis Debré, feierlich in sein Amt eingeführt wird. „Sie verkörpern Frankreich, Sie symbolisieren die Republik!“, sagt Debré und gratuliert dem siebten Präsidenten der V. Republik.

          Showeffekt: Sarkozy verlässt Hand in Hand mit Ehefrau Carla Bruni den Elysée-Palast
          Showeffekt: Sarkozy verlässt Hand in Hand mit Ehefrau Carla Bruni den Elysée-Palast : Bild: AFP
          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In seiner ersten Ansprache lässt der 57 Jahre alte Sozialist durchblicken, was für ein Präsident er sein will. „Würde, Sachlichkeit, Schlichtheit“ in der Amtsausübung verspricht er. Es klingt, als wolle er hinzufügen: Nicht so wie mein Vorgänger. „Wir sind ein großes Land“, betont Hollande und richtet „eine Botschaft des Vertrauens“ an seine Landsleute. In seiner langen Geschichte sei Frankreich noch mit allen Herausforderungen fertig geworden. Dieses Vertrauen in die Zukunft, in die kommenden Generationen leite ihn angesichts der europäischen Staatsschuldenkrise.

          Die geladenen Gäste, unter ihnen alle ehemaligen sozialistischen Premierminister, Vertreter der Gewerkschaften und der Arbeitgeber, die obligaten Würdenträger der großen Staatskorps sowie der Parlamente, blicken ernst und fast ehrfürchtig auf den Mann, der künftig die Geschicke ihres Landes führt. Francois Mitterrands Tochter Mazarine wischt sich gerührt eine Träne aus dem Augenwinkel, als Hollande die Verdienste aller seiner Vorgänger, besonders aber die ihres Vaters würdigt. Nur zu Nicolas Sarkozy fällt Hollande lediglich ein, ihm ein „gutes neues Leben“ zu wünschen. In kurzen Hosen und Sweatshirt trabt Sarkozy, schon gar nicht mehr präsidial, später für die französischen Kameraleute zum Jogging davon.

          Jogginghose statt dunkler Anzug: Sarkozy hat Zeit für Sport
          Jogginghose statt dunkler Anzug: Sarkozy hat Zeit für Sport : Bild: AFP

          Händedrücke, Wangenküsschen, das kann der neue Präsident, der im Festsaal die ersten Gratulationen entgegennimmt. Dennoch ist der Wahlkämpfer nicht wieder zu erkennen, der so oft lässig auf die Leute zuschlenderte. Hollande geht aufrecht und erhobenen Hauptes, alles an ihm strahlt die Erhabenheit des Amtes aus. Sein Kinn reckt er nach oben, als er im Park des Elysée die in Paradeuniform aufgereihten Soldaten der Republikanischen Garde abschreitet. Die Marseillaise erklingt, aus der Ferne, vom Invalidendom am anderen Seineufer hallen 21 Salutschüsse hinüber, die aus zwei alten Kanonen abgefeuert werden. „Vive la République!“

          Die erste Prüfung für den neuen Präsidenten lässt nicht lange auf sich warten. Sie kommt noch vor der ersten Begegnung mit der Bundeskanzlerin am Abend, in der die französischen Medien die eigentliche Feuerprobe für Hollande sehen. Es regnet, es hagelt, es weht, als der neue Volkssouverän mit seinem eigens für ihn von Citroen gefertigten Prototyp mit offenem Dach (und Hybridantrieb) die Champs-Elysées hinauf fährt. Hollande winkt, er lächelt gegen die Windböen an. Nichts soll ihn so leicht erschüttern - auch kein heftiger Regenguss. Dann steht er unter dem Triumphbogen, im durchnässten Anzug, das nasse Haar klebt ihm am Schädel, und entzündet die Flamme am Grab des unbekannten Soldaten neu. Hollande schüttelt wieder Hände, schließlich haben die Schaulustigen stundenlang im Regen an den Champs-Elysées ausgeharrt. Auf der Rückfahrt aber erlaubt er sich, das Dach zu schließen.

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