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Trauerfeier in Paris : „Merci la police!“

Francois Hollande bei der Zeremonie im Hôtel des Invalides Bild: AFP

Bewegende Trauerfeier in Paris: Frankreichs Präsident Hollande hat verkündet, dass die drei bei den Terrorattacken getöteten Polizisten posthum in die Ehrenlegion aufgenommen worden sind. Aber wie kann das Land seine Sicherheitskräfte besser schützen?

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          Die Trommeln wirbeln, eine Fanfare ertönt: Polizisten in Paradeuniform tragen drei mit der Trikolore-Fahne bedeckte Särge in den Innenhof der Pariser Polizeipräfektur. In Reih und Glied stehen hunderte Polizisten, um ihren Kollegen das letzte Geleit zu erweisen: Franck Brinsolaro, 49 Jahre, Ahmed Merabet, 40 Jahre und Clarissa Jean-Philippe, 26  Jahre, alle drei kaltblütig ermordet von den islamistischen Terroristen, die Frankreich in Angst und Schrecken versetzten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Wieder Trommelwirbel, dann verkündet Präsident Francois Hollande, dass die drei Polizisten posthum in die Legion d’Honneur aufgenommen werden – für ihre am Vaterland geleisteten Dienste. Die Marseillaise ertönt, und alle staatlichen Würdenträger, der Präsident, Innenminister Bernard Cazeneuve, Außenminister Laurent Fabius, Premierminister Manuel Valls, Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, Justizministerin Christiane Taubira, die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, der Präsident des Senats, Gérard Larcher und der Präsident der Nationalversammlung, Claude Bartolone, blicken ernst und sorgenvoll.

          Auf ihnen lastet die Herausforderung, Frankreich vor weiteren Terrorakten zu schützen. Die Hinterbliebenen stehen an der Seite, voller Würde in ihrer Trauer, aber auch erwartungsvoll. Wie kann die Regierung verhindern, dass Polizisten von neuem zur Zielscheibe von Terroristen werden? „Sie teilten ein Ideal: Der Republik zu dienen“, würdigt Hollande die Polizisten.

          „Ahmed, Clarissa und Franck sind gestorben, damit wir frei leben können“, sagt der Präsident. Für ihren Dienst an ihren Landsleuten hätten die Franzosen ihnen danken wollen, am Sonntag, als sie sich zu Millionen den Gedenkmärschen anschlossen, sagt der Präsident.

          Die Särge der getöteten Polizisten bei der Zeremonie in Paris

          Zwischen Place de la République und Place de la Nation in Paris war es immer wieder zu spontanen Beifalls- und Sympathiebekundungen für die zur Überwachung abgestellten Polizisten gekommen. Vor einem Einsatzwagen der CRS rief eine Frau: „Danke Bullen!“ „Seit heute sagen wir nicht mehr Bullen, sondern Polizisten“, unterbrach sie ihr Mann. „Merci la police!“, „Danke Polizei“, steht auf  selbstgebastelten Plakaten. Als eine Kolonne von Polizeifahrzeugen in einer benachbarten Straße durch die Menschenmenge fuhr, applaudierten die Franzosen spontan. „Das war außergewöhnlich, diese Anerkennung durch die Nation“, sagte Nicolas Comte von der Polizeigewerkschaft „Unité SGP Police“.

          „Frankreich steht aufrecht“

          Der Präsident erinnerte an die junge Clarissa Jean-Philippe von der Überseeinsel Martinique, die noch Auszubildende war. Sie starb drei Tage, bevor sie ihren ersten Vertrag als Polizistin antreten konnte, an einer Verkehrskreuzung in Montrouge im Süden von Paris. Jean-Philippe war zu einer Unfallstelle geeilt, um den Betroffenen zu helfen und den Unfall aufzunehmen, als sie in das Schussfeld des Terroristen Amedy Coulibaly geriet. Dieser prahlte später in einem Video damit, er habe eine Polizistin „umgelegt“.

          Ahmed Merabets Familie stammte aus Algerien, der Polizist war stolz darauf, Frankreich zu dienen und arbeitete im Polizeikommissariat des 11. Arrondissements in Paris. Seine letzten Lebensminuten sind gefilmt worden, ein grausamer Videomitschnitt, der zeigt, wie die Terroristen den schon verletzt am Boden liegenden Merabet aus nächster Nähe hinrichteten. Ahmed Merabet sollte noch am Dienstagnachmittag auf dem muslimischen Teil des Friedhofs von Livry-Gargan, seiner Heimatgemeinde.

          Staatspräsident Hollande, Premierminister Valls und Innenminister Cazeneuve bei der Zeremonie in Paris

          Franck Brinsolaro war zur Überwachung des Chefredakteurs von „Charlie Hebdo“, Charb, abgestellt. Er begleitete den Chefredakteur bei allen Terminen, ein diskreter Helfer und Schützer. Doch bei der fatalen Redaktionskonferenz am Mittwochvormittag konnte auch Brinsolaro nichts ausrichten. Der Polizist hatte zuvor den Anti-Terror-Richter Marc Trévidic beschützt und war auch in Afghanistan und in mehreren afrikanischen Ländern eingesetzt gewesen. Hollande nahm den Gedenkakt zum Anlass, die Stärke Frankreichs zu beschwören. Er sprach von einer Hommage des französischen Volkes für die Polizei, die Gendarmerie und alle Sicherheitskräfte. „Frankreich steht aufrecht“, sagte Hollande.

          Die Regierung  arbeitet unter Hochdruck daran, den Kampf gegen den Terrorismus zu  verbessern. Zugleich will Frankreich aus dem Verhalten Amerikas nach dem  11. September 2001 gelernt und eine Einschränkung der Bürgerrechte im Namen der  Terrorbekämpfung nicht zulassen. „Ein Patriot Act wie in Amerika kommt bei uns  nicht in Frage“, sagte Premierminister Manuel Valls. Präsident Hollande vermied  in seiner Gedenkrede, von einem „Krieg“ gegen den Terror zu  sprechen. Frankreich werde den Terroristen „nie nachgeben“, sagte der  Präsident. Die Gefahr sei nicht vorbei. „Sie ist da“, sagte er. „Aber die  Freiheit wird über die Barbarei siegen“, versprach er.

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