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Hizbullah-Trauerfeier : Jubel für Drohungen gegen Amerika

Die Gedenkfeier der Hizbullah für den iranischen General Soleimani in Beirut Bild: AFP

In Beirut gedenkt die Hizbullah des getöteten iranischen Generals Soleimani. Der Anführer der Schiitenmiliz fordert eine „gerechte Strafe“. Der Tod Soleimanis ist für ihn ein Zeichen des Sieges.

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          Es wirkt, als hätte man nicht nur einen Kontrollpunkt der libanesischen Armee, sondern auch die Grenze in ein anderes Land überquert. Riesige Transparente sind über die Straßen gespannt, auf denen vor blutrotem Hintergrund das Konterfei Qassem Soleimanis prangt. Überall hängen Bilder des iranischen Generals, Straßenhändler verkaufen iranische Flaggen. Hier im Süden von Beirut herrscht die Schiitenorganisation Hizbullah. Der von einer amerikanischen Drohne getötete Führer der iranischen Revolutionswächter ist hier ein Held des „Widerstands“ gegen Israel und Amerika. Ihm zu Ehren wird eine große Trauerfeier abgehalten.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Hizbullah ist wirkungsvollste Waffe des iranischen Regimes, die wichtigste Truppe in der länderübergreifenden Schattenarmee, die von den Revolutionswächtern gelenkt wird. Im Libanon ist sie zugleich Staat im Staat und stärkste militärische Kraft. Im Ausland führt die Hizbullah im Auftrag Teherans Kampfeinsätze und Ausbildungsmissionen, etwa in Syrien, dem Jemen oder dem Irak. Vor allem aber ist die Organisation das Messer an der Kehle Israels. Das von Teheran prall gefüllte Raketenarsenal ist eine ständige Bedrohung des Nachbarlandes im Süden. Welche Rolle wird die Hizbullah spielen, wenn Teheran zum Vergeltungsschlag ausholt?

          Ihr Anführer Hassan Nasrallah konzentriert sich in seiner Ansprache – sie wird wie immer aus Sicherheitsgründen von einem unbekannten Ort übertragen – auf Drohungen gegen das amerikanische Militär in der Region. Er ruft die Kräfte des „Widerstands“ auf, die Soldaten des Feindes zu verjagen – das sei die „gerechte Strafe“. Schließlich habe das amerikanische Militär den tödlichen Angriff gegen Soleimani geführt. Die Zivilisten, kündigt er an, werde man verschonen. Unter tosendem Jubel droht Nasrallah: „Die Selbstmordattentäter, die die Amerikaner in der Vergangenheit gezwungen haben, unsere Region zu verlassen sind noch immer hier und ihre Zahl hat zugenommen.“

          Die meiste Zeit seiner Rede verwendet Nasrallah darauf, den Tod Soleimanis zu einem Zeichen des Sieges umzudeuten. Der Tag seiner Ermordung markiere einen „Neubeginn“ für die Region, erklärt er. Mit dem Märtyrertod Soleimanis sei dessen lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Den amerikanische Angriff erklärt Nasrallah zum Ausdruck amerikanischen Scheiterns in der Region. „Der größte Wunsch unserer Feinde ist es, uns zu töten. Unser größter Wunsch ist es, den Märtyrertod zu sterben.“

          In der großen Halle, wo sich seine Anhänger versammelt haben, laufen vor Nasrallahs Rede Bilder aus Iran, wo Soleimani zu Grabe getragen wird oder Aufnahmen des Generals im Einsatz. „Labaika ya Qassem Soleimani – Dir zu Diensten, o Qassem Soleimani“, ruft die Menge wieder und wieder. Die jungen Männer, die den Nasrallah-Auftritt bejubeln und Amerika den Tod wünschen, lassen keinen Zweifel daran, dass sie bereit sind zu tun, was immer ihr Anführer und die iranischen Revolutionswächter verlangen. „Sie werden uns, die Soldaten von Qassem Soleimani, bis in alle Ewigkeit fürchten“, sagt ein junger Mann in der Menge. „Qassem Soleimani war wie ein Vater, ein Beschützer der Armen und Schwachen. Es muss Rache geben.“ Sein Nebenmann pflichtet ihm bei. „Die einzige Sprache, die Amerika versteht, ist die Sprache des Blutes.“

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