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Hitzige Afghanistan-Debatte : Obama salutiert Gefallenen, McCain drängt zur Eile

  • Aktualisiert am

Obama und General Wright erweisen den in Afghanistan getöteten amerikanischen Soldaten die letzte Ehre Bild: dpa

Der amerikanische Präsident Obama hat an einer Zeremonie zur Überführung der sterblichen Überreste von 18 in Afghanistan getöteten Amerikanern teilgenommen - ein symbolisch bedeutsamer Akt in einer Zeit erhitzter Debatten über die künftige Strategie am Hindukusch.

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          Präsident Barack Obama hat auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware an der Zeremonie zur Überführung der sterblichen Überreste von 18 in Afghanistan getöteten amerikanischen Soldaten und Drogenfahndern teilgenommen. Der Präsident erwies am Mittwoch den Toten, die am Wochenende bei Hubschrauberabstürzen und Bombenanschlägen umgekommen waren, mit militärischem Gruß die letzte Ehre. Später sprach der Präsident den Hinterbliebenen sein Beileid aus.

          Obama hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar eine seit dem Golfkrieg von 1991 gültige Praxis geändert, wonach die feierliche Überführung der mit der amerikanischen Flagge drapierten Särge von Kriegstoten aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen weder gefilmt noch fotografiert werden darf. Seither können Medien über die Heimkehr der Kriegstoten berichten, wenn die Angehörigen damit einverstanden sind. Obamas Amtsvorgänger George W. Bush hat sich mit zahlreichen Hinterbliebenen von Toten der Kriege im Irak und in Afghanistan getroffen, jedoch stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Der symbolisch bedeutsame Besuch in Dover, der zuvor nicht angekündigt worden war, fällt in eine Zeit erhitzter Debatten über die künftige Strategie in Afghanistan. Amerikanische Medien berichteten am Donnerstag, Obama werde weniger zusätzliche Soldaten in Marsch setzen, als die 40 000 Mann, die der von ihm ernannte Befehlshaber General Stanley McChrystal gefordert hat. Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat und Senator John McCain (Arizona) forderte Obama auf, zügig eine Entscheidung zu fällen. „Wir sehen, wie sich die Lage immer weiter verschlechtert, während der immer wieder verlängerte Entscheidungsprozess sich hinzieht“, McCain dem Sender CBS. Die Verbündeten seien zunehmend nervös und die Armeeführung frustriert. Der Präsident müsse bald entscheiden, „die Vereinigten Staaten leben nicht in einem Vakuum“. Das Weiße Haus wies McCains Kritik zurück. Es sei wichtig, dass Obama vor einer Entscheidung über die Entsendung zusätzlicher Truppen zuhöre und zu einer richtigen Einschätzung komme, sagte Sprecher Robert Gibbs.

          Särge der Kriegstoten auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware

          Clinton in Pakistan: „Dies ist nicht nur Ihr Kampf“

          Die amerikanische Außenministerin Clinton rief während ihres zweiten Besuchstags in Pakistan zu Entschlossenheit im Kampf gegen Terroristen auf. Sie seien eine kleine, aber tödliche Gruppe, deren Einfluss langsam und heimtückisch wachse, sagte Frau Clinton in Lahore, wo sie eine Moschee besuchte, mit Studenten und Geschäftsleuten sprach und Oppositionsführer Nawaz Sharif traf. Frau Clinton sprach von einem Kampf, der gewonnen werden müsse, und versicherte den Pakistanern Amerikas Solidarität: „Dies ist nicht nur Ihr Kampf - Sie stehen zwar ganz vorne in dieser Schlacht, aber wir sind mit Ihnen.“ Sharif bekräftigte die „legitimen Vorbehalte“ Pakistans gegenüber dem amerikanischen Hilfspaket, das die Integrität und Souveränität des Landes berührte. Die Regierung Obama, kündigte Frau Clinton an, wolle ein neues Kapitel aufschlagen in den Beziehungen beider Staaten.

          Unterdessen stieg die Zahl der am Vortag durch eine Autobombe in Peshawar Getöteten auf über hundert. Eine Nachrichtenagentur nannte mit Verweis auf einen Krankenhausarzt die Zahl von 105 Todesopfern und mehr als 200 Verletzten. Die Taliban bestritten die Verantwortung für den Anschlag, was sie allerdings oft tun, wenn viele Zivilisten ums Leben gekommen sind. Die Armee, die derzeit eine Bodenoffensive in Südwasiristan durchführt, meldete weitere Geländegewinne.

          Klage gegen Armeeführung

          Die Hinterbliebenen von zwei in Afghanistan gefallenen französischen Soldaten haben am Donnerstag eine Klage gegen die französische Armeeführung angestrengt. Es handelt sich bei den Klägern um die Familien von zwei der insgesamt neun Soldaten, die bei einem Hinterhalt der Taliban im August 2008 getötet wurden. Über die genauen Todesumstände und mögliche Versäumnisse der Militärhierarchie liegen widersprüchliche Berichte vor. Einer der Anwälte sagte, es gehe den Klägern darum, Klarheit zu schaffen und nicht weiterhin mit beschwichtigenden Erklärungen abgespeist zu werden. Der Verteidigungsminister hatte damals indirekt Ausrüstungsmängel eingestanden, denn nach den Verlusten wurden lange erwartete Lieferungen mit Material und schwerem Gerät beschleunigt.

          Auch in Großbritannien steht die militärische Führung in der Kritik. Nach Angaben vom Donnerstag wurde der Absturz eines britischen Nimrod-Aufklärungsflugzeuges in Afghanistan, bei dem 2006 sämtliche 15 Besatzungsmitglieder umgekommen waren, durch eine Mischung aus „Inkompetenz, Untätigkeit und Zynismus“ verursacht. Der Leiter der unabhängigen Untersuchung, der Jurist Haddon-Cave, sagte am Ende seiner Ermittlungen, die Fehler und Versäumnisse hätten schon 1969 bei der Indienststellung dieses Flugzeugtyps begonnen. Das Flugzeug war nach einem Betankungsfehler in der Luft explodiert. Das Verteidigungsministerium habe im Blick auf die Nimrod-Besatzungen seine Fürsorgepflicht für die Soldaten anhaltend und dauerhaft verletzt.

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