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Beleidigung gegen Selenskyj : Israel verlangt Entschuldigung von Lawrow nach Hitler-Vergleich

Im September 2021 wirkten die Beziehungen der Außenminister von Israel (Jair Lapid) und Russland (Sergej Lawrow) noch harmonisch. Bild: dpa

Nachdem der russische Außenminister den ukrainischen Präsidenten Selenskyj mit Hitler verglichen hatte, fordert Israel eine Entschuldigung. Lawrow hatte gesagt, dass die eifrigsten Antisemiten Juden gewesen seien.

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          Ein Hitler-Vergleich des russischen Außenministers Sergej Lawrow schlägt in Israel hohe Wellen. Israels Außenminister Jair Lapid bestellte am Montag den russischen Botschafter zu einem „klärenden Treffen“ ein. Lawrow hatte in einem Interview den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Adolf Hitler verglichen – und das mit der Behauptung begründet, Hitler sei wie Selenskyj Jude gewesen. Gemäß der russischen Propaganda sollen in Kiew „Nazis“ an der Macht sein.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Lapid nannte Lawrows Äußerungen „unverzeihlich und skandalös“ und einen „schrecklichen historischen Irrtum“. Er erwarte eine Bitte um Entschuldigung. „Die Juden haben nicht selbst während des Holocausts gemordet“, sagte Israels Außenminister. Ministerpräsident Naftali Bennett teilte mit, das Ziel „dieser Art von Lügen“ sei es, die Juden selbst für die schrecklichsten Verbrechen in der Geschichte verantwortlich zu machen, die an ihnen verübt worden seien.

          Israel vermied zunächst Kritik an Moskau

          Lawrow hatte in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender „Mediaset“ gesagt, Selenskyj argumentiere, was es denn in der Ukraine für eine „Nazifizierung“ geben solle, „wenn er Jude ist. Ich kann mich irren, aber Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das bedeutet absolut nichts. Das kluge jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ Lawrow fügte ein Sprichwort an, das wörtlich mit „Keine Familie ohne Missgeburt“ übersetzt und im Sinne von „Jede Familie hat ihre schwarzen Schafe“ gebraucht wird.

          Auch die Bundesregierung kritisierte Lawrows Äußerungen scharf. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bezeichnete sie als „unerträglich“. Sie zeigten, „dass die russische Kriegspropaganda vor nichts Halt macht“, sagte Faeser den Zeitungen der Funke Mediengruppe (online). „Lawrows Worte sind auch ein Schlag ins Gesicht aller Jüdinnen und Juden in Deutschland“, ergänzte die Ministerin: „Wir stellen uns der russischen Kriegspropaganda, den infamen Lügen und den Versuchen, die Geschichte zu verdrehen, mit aller Macht entgegen.“

          Hintergrund von Lawrows Äußerungen sind die russischen Bemühungen, alle ukrainischen Feinde als „Nazis“ darzustellen. Der russische Präsident Wladimir Putin hat zu Beginn seiner „militärischen Spezialoperation“, wie er den Krieg gegen die Ukraine nennt, als Ziel unter anderem ausgegeben, das Land zu „entnazifizieren“.

          Die scharfe israelische Reaktion auf Lawrows Äußerung hat auch vor dem Hintergrund Bedeutung, dass die israelische Regierung sich anfangs zögerlich gezeigt hatte, Russlands Überfall auf die Ukraine klar zu benennen. Israel unterhält gute Beziehungen nach Moskau und ist in Syrien auf Putins Einverständnis sowie auf Koordination mit dem russischen Militär angewiesen, wenn es dort irantreue Kräfte angreift.

          Zugleich sind offizielle Vertreter Israels bestrebt, Vergleiche mit dem Holocaust und der nationalsozialistischen Ära abzuwehren – Vergleiche, die auch im politischen Diskurs des Landes selbst immer wieder vorkommen. Erst vor wenigen Tagen hatte Bennett in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag hervorgehoben, immer öfter werde der Völkermord an den Juden Europas mit anderen Ereignissen verglichen. Aber „kein Ereignis in der Geschichte, so grausam es gewesen sein mag, ist mit dem Holocaust vergleichbar“, sagte Bennett. „Niemals, an irgendeinem Ort oder zu irgendeiner Zeit, hat ein Volk auf eine so geplante, systematische und gleichgültige Art und Weise zur Vernichtung eines anderen Volkes angesetzt, aus einer absoluten Ideologie und nicht aus Eigennutz.“

          Dies wurde als Verweis zum einen auf die russischen Nazi-Vorhaltungen gegenüber der Ukraine verstanden, zum anderen aber auf Äußerungen Selenskyjs. So hatte er in einer Rede vor der Knesset Mitte März den russischen Angriff auf sein Land mit Hitlers „Endlösung“ in Verbindung gebracht.

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