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Scharfe Kritik aus Warschau : „Hat jemand gesagt, dass Hitler sein Gesicht wahren muss?“

Die Telefondiplomatie von Bundeskanzler Scholz und Frankreichs Präsident Macron mit Russlands Präsident Putin ist Polens Präsident Andrzej Duda ein Dorn im Auge. Bild: dpa

Der polnische Präsident Andrzej Duda sieht Chancen für einen Panzer-Ringtausch mit Deutschland. Doch zugleich kritisiert er Olaf Scholz wegen der Telefondiplomatie mit Putin auf das Heftigste.

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          Zwei führende Politiker des rechten Regierungslagers in Polen haben Deutschland scharf kritisiert. Staatspräsident Andrzej Duda warf dem westlichen Nachbarn in der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag einen nach wie vor naiven Umgang mit Russland vor. Zugleich erinnerte er an den bislang gescheiterten Panzer-Ringtausch zugunsten der Ukraine. Polen habe dem angegriffenen Nachbarland 240 Panzer sowjetischer Bauart und 100 gepanzerte Fahrzeuge geschickt, „insgesamt Waffen im Wert von 2 Milliarden Dollar“. Für die gelieferten Panzer müsse Polen wie vereinbart „einige Leopard-Panzer aus Deutschland bekommen“; es müsse nicht die modernste Version sein.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          In den letzten Wochen war der Eindruck entstanden, der Ringtausch sei daran gescheitert, dass Warschau die modernste Leopard-Version fordere, die selbst bei der Bundeswehr noch nicht angekommen sei. Duda zeigte mit dem älteren Modell einen möglichen Ausweg auf; bisher jedoch habe Polen für seine Vorleistung an die Ukraine „gar nichts bekommen“. Duda, der sich selbst vor Jahren als Hüter guter deutsch-polnischer Beziehungen bezeichnet hatte, kritisierte, dass Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron immer wieder mit Russlands Präsident telefonierten. Das werte Wladimir Putin nur auf. „Hat jemand so mit Adolf Hitler während des Zweiten Weltkriegs gesprochen? Hat jemand gesagt, dass Adolf Hitler sein Gesicht wahren muss?“

          Zugleich sprach der Chef der Regierungspartei PiS, Jarosław Kaczyński, in der Kleinstadt Sochaczew mit einer auch für ihn ungewöhnlichen Schärfe über den deutschen Nachbarn. „Deutschland spielt moralische Großmacht“, sagte Kaczyński am Mittwochabend und fügte hinzu, der Nachbar habe für die an Polen begangenen nationalsozialistischen Verbrechen keine Haftung übernommen. In Deutschland, behauptete er, habe es nach dem Krieg „eine Art Amnestie“ für NS-Verbrecher gegeben. „Der Moment rückt wohl näher, da man mit der Faust auf den Tisch hauen muss“, sagte er, womit er offenbar Reparationsforderungen meinte. Dass nach Polen jetzt auch Deutschland aufrüste, bewertete er positiv, auch wenn er nicht wisse, „ob die Deutschen gegen Russland rüsten oder gegen uns“. Kaczyński ist seit 2020 auch stellvertretender Regierungschef. Kürzlich hatte die Regierung verlautbart, er wolle dieses Amt bald aufgeben und sich mehr auf Innenpolitik und den 2023 anstehenden Wahlkampf konzentrieren.

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