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Hiroshima : Japan gedenkt des Atombombenabwurfs vor 75 Jahren

  • Aktualisiert am

Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui (rechts) bei einer Gedenkzeremonie für die Opfer der Atombombe. Bild: EPA

Die Atombombe hat 1945 zehntausende Menschen sofort getötet. Der Bürgermeister von Hiroshima ruft die Welt zur nuklearen Abrüstung auf.

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          Angesichts der Sorgen vor einem neuen atomaren Wettrüsten hat der Bürgermeister von Hiroshima zur nuklearen Abrüstung in der Welt aufgerufen. Bei einer Gedenkzeremonie zum 75. Jahrestag des Abwurfs einer amerikanischen Atombombe auf die japanische Stadt rief Bürgermeister Kazumi Matsui die Welt auf, sich gegen die Bedrohungen für die Menschheit zusammenzuschließen.

          Um 8.15 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als der Bomber Enola Gay die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ über Hiroshima abgeworfen hatte, legten die Menschen in Hiroshima eine Schweigeminute ein. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Gedenkzeremonie diesmal kleiner abgehalten. Die Teilnehmer trugen überwiegend Masken und mussten Abstand von einander halten.

          Zehntausende Todesopfer

          Zehntausende Bewohner von Hiroshima waren beim Abwurf der amerikanischen Atombombe damals sofort ums Leben gekommen, insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen. Drei Tage nach Hiroshima warfen die Vereinigten Staaten eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. Hiroshima ist heute ein weltweites Symbol für Krieg – und für Frieden.

          Bundesaußenminister Heiko Maas warnte anlässlich des 75. Jahrestags des Atombomben-Abwurfs auf Hiroshima vor einer neuen Runde atomaren Wettrüstens. „Die nukleare Abrüstung stagniert. Neue Technologien lassen gefährliche Ungleichgewichte entstehen“, erklärte der SPD-Politiker am Mittwochabend in Berlin. Nordkorea fordere mit seinem Griff nach Atomwaffen die ganze Weltgemeinschaft heraus. Deshalb müsse 75 Jahre nach der Katastrophe von Hiroshima ein „neuer Impuls für Rüstungskontrolle und nukleare Abrüstung“ ausgehen.

          Guterres zeigt sich besorgt

          „Spaltung, Misstrauen und mangelnder Dialog drohen die Welt zu einem ungezügelten strategischen Nuklearwettbewerb zurückzubringen“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Video-Botschaft anlässlich der Gedenkzeremonie in Hiroshima. Er wollte selbst vor Ort teilnehmen, musste aber wegen der Corona-Pandemie absagen. Das Netz aus Rüstungskontrolle, Transparenz und vertrauensbildenden Instrumenten, das während und in der Folge des Kalten Krieges geschaffen worden sei, „franst aus“.

          „Staaten, die Atomwaffen besitzen, modernisieren ihre Arsenale und entwickelten neue und gefährliche Waffen und Trägersysteme“, sagte er. Das Risiko, dass Atomwaffen absichtlich, versehentlich oder durch Fehleinschätzungen eingesetzt werden, sei „zu hoch“, als dass sich solche Trends fortsetzen dürften. „Der einzige Weg, um das nukleare Risiko vollständig zu beseitigen, besteht darin, Atomwaffen vollständig zu eliminieren.“

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