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Airbus-Absturz über dem Sinai : Hinweise auf Bombenanschlag verdichten sich

  • Aktualisiert am

224 Menschen sind beim Absturz des Airbus 321 über dem Sinai ums Leben gekommen. Bild: AFP

Großbritannien und die Vereinigten Staaten halten mittlerweile eine Bombenexplosion als Ursache für den Absturz eines Airbus über dem Sinai für wahrscheinlich. Hinter der Tat soll die Terrormiliz „Islamischer Staat“ stehen. Mehrere europäische Fluggesellschaften fliegen Scharm el Scheich vorerst nicht mehr an.

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          Nach dem Absturz der russischen Passagiermaschine über dem Sinai halten London und Washington nunmehr eine Bombenexplosion als Ursache für wahrscheinlich. „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz durch einen Sprengsatz an Bord verursacht wurde“, sagte der britische Außenminister Philipp Hammond am Mittwochabend in London. Es seien verschiedene Quellen ausgewertet worden, bevor die Regierung zu dem Schluss gekommen sei.

          Hammond äußerte sich nach einer Krisensitzung der Regierung. Zuvor hatte ein Sprecher von Premierminister David Cameron mitgeteilt, die Ermittlungen seien zwar noch nicht abgeschlossen und die Absturzursache sei weiterhin unklar. Aber aufgrund neuer Informationen sei die britische Regierung in Sorge, „dass das Flugzeug durchaus von einem Sprengsatz zum Absturz gebracht worden sein könnte“.

          Auch in den Vereinigten Staaten verdichteten sich offenbar solche Hinweise. „Es gibt ein eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war, der im Gepäck oder anderswo im Flugzeug versteckt wurde“, zitierte CNN einen namentlich nicht genannten Vertreter der amerikanischen Regierung. Demnach gehen amerikanische Geheimdienste davon aus, dass höchstwahrscheinlich die Terrormiliz „Islamischer Staat„ (IS) dahinter stecke. Mehrere Beamte hätten dies bestätigt, heißt es in einem CNN-Bericht.

          Mehrere Fluggesellschaften fliegen Region nicht mehr an

          Als Reaktion auf den Absturz hat Großbritannien bereits am Mittwoch alle Flüge von dem ägyptischen Urlauberort Scharm el Scheich bis auf Weiteres ausgesetzt. „Wir möchten betonen, dass dies eine Vorsichtsmaßnahme ist und wir bei unserer Vorgehensweise eng mit den Fluggesellschaften zusammenarbeiten“, sagte Camerons Sprecher. Wie die BBC berichtete, gibt es in der britischen Regierung Zweifel an der Zuverlässigkeit der Sicherheitskontrollen am Flughafen von Scharm el Scheich.

          Die irische Luftfahrtaufsicht teilte am Mittwochabend ebenfalls mit, Fluglinien des Landes dürften vorerst nicht mehr von und nach Scharm el Scheich fliegen. Zudem solle der Luftraum über der Sinai-Halbinsel „bis auf weiteres“ gemieden werden. Auch niederländische Fluggesellschaften fliegen zunächst bis Sonntag nicht mehr die ägyptische Urlaubsregion an. Das niederländische Außenministerium riet bis auf Weiteres von Flugreisen nach Scharm el Scheich ab.

          Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich unterdessen in einer zunächst nicht verifizierbaren Twitter-Stellungnahme abermals zu dem angeblichen Attentat bekannt. Schon unmittelbar nach dem Absturz des Airbus A321 am vergangenen Samstag hatte der IS behauptet, dafür verantwortlich zu sein.

          Die Extremisten bekräftigten am Mittwoch in einer Audionotiz im Namen des IS-Ablegers auf dem Sinai ihre Behauptung, den Absturz herbeigeführt zu haben. Gegebenenfalls werde man irgendwann nähere Informationen dazu veröffentlichen, hieß es.

          Suche deutlich ausgeweitet

          Die Bergungsteams haben die Suche am Unglücksort inzwischen deutlich ausgeweitet. Die Mannschaften würden nun auf der Sinai-Halbinsel auf 40 Quadratkilometern nach Hinweisen für die Ursache der Katastrophe sowie nach weiteren sterblichen Überresten der 224 Opfer suchen, sagte Russlands Zivilschutzchef Wladimir Putschkow am Mittwoch. Zur besseren Übersicht des Trümmerfelds werden auch Drohnen eingesetzt. „Wir suchen Zentimeter für Zentimeter ab“, meinte Putschkow.

          Die ägyptischen Behörden haben unterdessen mit der Auswertung der Flugschreiberdaten begonnen. Wie das Ministerium für zivile Luftfahrt am Mittwoch mitteilte, konnten die Informationen vom Datenrekorder sichergestellt werden. Der Stimmenrekorder, der Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Copilot sowie weitere Geräusche im Cockpit speichert, sei jedoch zum Teil beschädigt, hieß es.

          Die Arbeiten an dem Wrack sind auch wegen Extremisten auf der Halbinsel extrem riskant. Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Sinai kamen am Mittwoch mindestens vier Menschen ums Leben. Die Autobombe galt einem Club für Polizeibeamte westlich der Stadt Al-Arisch im Norden der Unruheregion.

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