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Salman und der Fall Khashoggi : Das Spiel des Prinzen mit dem Feuer

Kronprinz von Saudi-Arabien: Muhammad Bin Salman. Bild: Reuters

Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman hat hoch gepokert. Doch über seine Zukunft entscheiden ab jetzt der Familienrat – und der amerikanische Präsident.

          Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman tritt an diesem Freitag seine erste Auslandsreise seit der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi am 2. Oktober an. Sie führt ihn zunächst zu den drei wichtigsten Verbündeten des Königreichs – in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Bahrein und nach Ägypten. Danach fliegt er zum G-20-Gipfeltreffen nach Buenos Aires. Die Reise könnte dafür sprechen, dass Muhammad Bin Salman trotz des Sturms, den der Tod Khashoggis entfacht hat, sicher im Sattel sitzt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          In Argentinien wird aufmerksam verfolgt werden, wie sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten ihm gegenüber verhalten. Das wird ein Hinweis darauf sein, was ihn erwartet, sollte er seinem 82 Jahre alten Vater, König Salman Bin Abd al Aziz Al Saud, auf dem saudischen Thron folgen. Denn abgesehen vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump, hat die mutmaßliche Verwicklung der saudischen Führung in die Ermordung Khashoggis die führenden Politiker der Welt schockiert.

          Festen Boden unter den Füßen

          Der Öffentlichkeit entzogen werden hingegen die Begegnungen in Abu Dhabi, Manama und Kairo sein. Auch im Vorfeld der Reise kann man über ihren Grund nur spekulieren. Mutmaßlich soll sie ein Signal an die Welt sein, dass der Kronprinz festen Boden unter den Füßen gefunden hat. Als unwahrscheinlich gilt, dass er unverändert über seine alte Machtfülle verfügt. Denn Ende Oktober hatte König Salman seinen sechs Jahre jüngeren Vollbruder Ahmad Bin Abd al Aziz Al Saud nach einem sechsjährigen Exil in London nach Riad zurückgebeten. Ahmad war zuletzt der Hoffnungsträger der Gegner des Kronprinzen geworden, da er vor allem dessen Außenpolitik – den Krieg im Jemen und das Embargo gegen Qatar – öffentlich kritisiert hatte.

          Saudischen Gepflogenheiten würde es entsprechen, dass der König ihn zum „Aufpasser“ für seinen schwer zu bremsenden Sohn bestellt hat. Der König könnte ihn zudem beauftragt haben, ins Lot zu bringen, was der Kronprinz in den vergangenen drei Jahren verbockt hat. Dann würde die bevorstehende Reise dazu dienen, die wichtigsten arabischen Verbündeten auf Änderungen in der saudischen Außenpolitik vorzubereiten. Als wahrscheinlich gilt, dass Muhammad Bin Salman über eine Beendigung des Kriegs im Jemen und zumindest über eine Lockerung des Embargos gegenüber Qatar sprechen wird.

          König Salman und sein Sohn Muhammad waren in wichtigen Punkten nicht einer Meinung. So hatte Salman nach dem Massaker vom August 2013 an mehr als tausend Anhängern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi – damals noch als Kronprinz – gesagt, es dürfe nicht sein, dass Ägypter mit saudischem Geld abgeschlachtet würden. Daraufhin hatte Muhammad Bin Zayed, der mit Muhammad Bin Salman eng verbündete Kronprinz von Abu Dhabi, Zweifel an Salmans geistiger Verfassung geäußert. Auch war Salman der Meinung, Mursi müsse nach seiner Wahl im Juni 2012 die Chance auf vier Jahre im Amt gegeben werden.

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