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Salman und der Fall Khashoggi : Das Spiel des Prinzen mit dem Feuer

Derzeit haben zwei Machtzentren den größten Einfluss auf die Zukunft des umstrittenen Kronprinzen: der amerikanische Präsident und der Familienrat des Hauses Saud, die Haiat al baia. Kurzfristig hat Trump mit seiner entschiedenen Parteinahme für den Kronprinzen dessen Position stabilisiert. Neben den wirtschaftlichen Interessen, die Trump dabei verfolgt, spielt wohl eine Rolle, dass das Weiße Haus in Saudi-Arabien keinen anderen Ansprechpartner als ihn hat. Der König selbst ist kaum ansprechbar. Zu Beginn dieser Woche hatte er in der beratenden Versammlung, dem Madschlis al Schura, nur mit Mühe einen kurzen Text verlesen. Für Trump könnte sich auszahlen, dass er sein Gewicht für den Kronprinzen in die Waagschale wirft. Der schuldet ihm nun Dankbarkeit und erhebliche Gegenleistungen. Es ist also im amerikanischen Interesse, dass Muhammad Bin Salman Kronprinz bleibt.

Für Führungsaufgaben disqualifiziert

Über das, was sich im Familienrat abspielt, kann nur spekuliert werden. In dem Gremium sind alle wichtigen Zweige des Hauses Saud mit jeweils einem Mitglied vertreten. Seine wichtigste Aufgabe ist, einem neuen König zuzustimmen, also ihm gegenüber die islamische Huldigung (baia) abzulegen, und die Berufung eines neuen Kronprinzen zu billigen.

Nach allem, was in den vergangenen Jahren geschehen ist, dürfte es Muhammad Bin Salman, sollte sein Vater plötzlich versterben, schwerfallen, diese Zustimmung im Familienrat zu erhalten. Daher ist anzunehmen, dass König und Kronprinz alle verfügbaren Energien darauf verwenden, noch zu Lebzeiten des Vaters eine Mehrheit für Muhammad Bin Salman zu sichern.

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Andererseits werden auch die zahlreichen Gegner des Kronprinzen im Haus Saud nichts unversucht lassen. Ihr Kreis ist groß. Zu ihm gehören abgesetzte Kronprinzen wie Muhammad Bin Nayef und Muqrin Bin Abd al Aziz, mächtige Söhne früherer Könige wie Mutib Bin Abdallah und Muhammad Bin Fahd sowie der Großinvestor Waleed Bin Talal. Sie alle hat der Kronprinz gedemütigt. Die einen ließ er unter Hausarrest stellen und kaufte ihnen ihre politischen Ansprüche durch viel Geld ab; die anderen inhaftierte er in Riad vom November 2017 an mehrere Monate im Hotel Ritz Carlton, das vorübergehend eine Haftanstalt wurde.

In den Augen der meisten Araber sind sie aufgrund dieser Demütigungen stigmatisiert und für Führungsaufgaben disqualifiziert. Sie haben einen Machtkampf verloren und sind damit ausgeschieden. Von den öffentlich bekannten Gegnern des Kronprinzen bleibt damit als einziger ernstzunehmender Herausforderer Ahmad Bin Abd al Aziz, der Bruder des Königs. Vieles spricht dafür, dass die Auseinandersetzung im Familienrat zwischen ihm und dem Kronprinzen stattfindet. Würde der König eine Änderung in der Thronfolge vornehmen wollen, hätte er seinen Bruder Ahmad unmittelbar nach dessen Rückkehr nach Riad vor drei Wochen zu seinem neuen Kronprinzen berufen können. Das ist nicht geschehen. Eine Absetzung von Muhammad Bin Salman müsste auch als Eingeständnis von großen Fehlern aufgefasst werden.

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