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Helikopterabsturz in Mali : Die Schwachstellen des Kampfhubschraubers „Tiger“

  • -Aktualisiert am

Ein Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr beim Landeanflug auf das Camp in Gao (Archivbild) Bild: BUNDESWEHR H/REX/Shutterstock

Unter Fachleuten war schon vor dem Unglück am Mittwoch umstritten, ob der Kampfhubschrauber „Tiger“ nach Mali entsandt werden kann. Eine kurze Geschichte des deutsch-französischen Rüstungsprojekts.

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          Bei dem in Mali abgestürzten Kampfhubschrauber "Tiger" handelt es sich um ein deutsch-französisches Rüstungsprojekt. Das ursprünglich für die Bundeswehr als reiner Panzerabwehrhubschrauber konzipierte Waffensystem wurde nach der Wiedervereinigung zu einer Mehrzweckversion umfunktioniert. Fortan vereinigte der "Tiger" die Aufgaben der Panzerabwehr mit einer Eskort- und Feuerunterstützungsvariante. Anders als bei der französischen „Tiger“-Variante hat die Bundeswehr auf eine Bordkanone im Bug des Hubschraubers verzichtet. Stattdessen befinden sich die Maschinengewehre der deutschen „Tigers“ unter den Seitenflügeln. Da sie dort starr angebracht sind, ist das im Gefecht sehr nachteilig. Der Hubschrauber muss immer erst in die Richtung des Zieles manövriert werden, bevor er schießen kann. Bei einer in den Bug integrierten Kanone ist das anders, da sie schwenkbar ist und einen weit größeren Wirkungsradius aufweist.

          Im April 1991 startete der Prototyp des „Tiger“ seinen Erstflug. Die Serienproduktion begann im März 2002, die Bundeswehr bestellte insgesamt 80 Stück. Der breiten Öffentlichkeit wurde der "Tiger" bereits 1995 bekannt, als er in dem James-Bond-Film "Golden  Eye" zu sehen war.

          Reichweite von 725 Kilometern

          Der "Tiger" ist ein sehr wendiger Hubschrauber. Die beiden Turbinentriebwerke können ihn auf eine Spitzengeschwindigkeit von 290 Kilometern pro Stunde beschleunigen. Seine Reichweite beträgt 725 Kilometer, die Einsatzdauer mehr als drei Stunden. Das 14,08 Meter lange und 3,83 Meter hohe Fluggerät bietet zwei Soldaten Platz: einem Piloten und einem Schützen. Ihre Sitze sind tandemartig und höhenversetzt gestaffelt.

          Neben der Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen wird der „Tiger“ auch zur Aufklärung eingesetzt. Das über dem Rotor montierte Mastvisier erlaubt es dem Hubschrauber, in  voller Deckung Ziele zu orten. Sein Rumpf ist zu etwa 80 Prozent aus Verbundwerkstoffen gebaut. Zwar ist der "Tiger" kein Tarnkappenfluggerät, seine Radarsichtbarkeit ist jedoch reduziert.

          Von Januar 2013 bis Juni 2014 war er gemeinsam mit dem ebenfalls neu eingeführten Transporthubschrauber NH90 in Afghanistan im Einsatz. Während es beim NH90 mehrfach technische Schwierigkeiten und einen Beinahe-Absturz im usbekischen Termez gab, zeigte sich die Bundeswehr mit dem „Tiger“ in Afghanistan sehr zufrieden. Wie schon vor vier Jahren am Hindukusch sind auch diesmal in Mali NH90 und „Tiger“ gemeinsam im Einsatz. Seit dem Frühjahr ersetzen jeweils vier Maschinen die niederländischen Transport- und Kampfhubschrauber, die zuvor mehr als ein Jahr lang im Rahmen der UN-Mission Minusma im nordmalischen Gao operierten. Es ist das Ziel der Bundesregierung, die deutschen Helikopter ebenfalls nach gut einem Jahr wieder aus Mali abzuziehen. Allerdings konnte bisher noch keine Nation gefunden werden, die sich bereiterklärt hat, die Nachfolge der Bundeswehr anzutreten.

          Fachleute bezweifeln Einsatztauglichkeit für Mali

          Die Entsendung von „Tiger“ und NH90 nach Mali war umstritten. Fachleute hatten aus mehreren Gründen Zweifel an der Einsatztauglichkeit der Helikopter in Westafrika geäußert. Zum einen, argumentierten sie, würde das Wüstenklima mit extrem hohen Temperaturen von weit über 40 Grad und staubiger Luft die Triebwerke schnell an die Leistungsgrenze bringen. Zum anderen verfügte die Bundeswehr nur über zwei Handvoll einsatzfähige Besatzungen für den „Tiger“. Der Grund für diese geringe Zahl liegt darin, dass die Bundeswehr im technischen Umgang mit dem Hubschrauber noch immer unerfahren ist.

          Sowohl beim  „Tiger“ als auch beim NH90 gibt es immer wieder Wartungsprobleme, die dazu führen, dass nur wenige Maschinen für Ausbildung und Flugbetrieb zur Verfügung stehen. Als Mitte vorigen Jahres Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Heeresinspekteur nach der Verfügbarkeit der Hubschrauber für den Mali-Einsatz fragte, soll Generalleutnant Jörg Vollmer von einer Entsendung abgeraten haben. Seiner Ansicht nach sei die Helikopter-Flotte für den Einsatz noch nicht bereit gewesen. Doch die Ministerin entschied anders.

          Bereits im März 2013 stürzte ein deutscher "Tiger"-Kampfhubschrauber auf einem Ausbildungsflug bei Oberammergau ab, das Unglück in Mali ist aber das erste tödliche mit einem "Tiger" der Bundeswehr.

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