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Trump feuert Außenminister : Tillerson stürzt ins Drecksloch

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss: Präsident Trump bricht am Dienstag zu einer Reise an die Westküste auf. Bild: UPI/laif

Donald Trump entlässt seinen Außenminister und präsentiert umgehend einen Nachfolger: den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo. Vor allem dessen Haltung zu einem der wichtigsten Themen passt dem Präsidenten besser.

          Es war eine undankbare letzte Mission für Rex Tillerson. Auf Schritt und Tritt wurde er während seiner Afrika-Reise gefragt, ob er sich in einem „Drecksloch“ wähne. Denn Donald Trump hatte afrikanische Länder im Januar zu solchen erklärt. Tillerson war daran gewöhnt, hinter dem Präsidenten aufzuräumen. In Interviews hatte er die Tweets des Oberbefehlshabers zu den unvorhergesehenen Widrigkeiten in einer komplizierten Welt gezählt, mit denen Außenminister einfach umzugehen haben. Den Europäern versicherte er, dass Amerika die Nato auch unter Trump nicht für „obsolet“ halte. Asiaten suchte er beizubringen, dass die Drohung mit „Feuer und Zorn“ ein Mittel der Diplomatie und nicht Ausdruck einer kriegslüsternen Nordkorea-Politik sei. Routiniert vermied er es in Afrika, Wasser auf die Mühlen des Streits über Dreckslöcher zu gießen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Doch dann sollte Tillerson selbst in ein Drecksloch ganz anderer Art stürzen. Erst beorderte das Weiße Haus ihn vorzeitig zurück. Der Minister begründete seinen verfrühten Abflug mit dringenden Gesprächen über Zölle und Nordkorea. Doch in Washington sollte er nur noch eine Aufgabe haben: sein Büro auszuräumen, damit sich der bisherige CIA-Direktor Mike Pompeo dort einrichten kann, sobald der Senat seine Ernennung gebilligt hat. Tillerson erfuhr das aber erst, als ihm ein Mitarbeiter den entsprechenden Tweet des Präsidenten zeigte. Der Minister hatte sich die lästigen Kurzbotschaften seines Chefs immer ausdrucken lassen. Ein Staatssekretär im Außenministerium teilte wenig später schriftlich mit, dass Tillerson eigentlich „fest beabsichtigt hatte, zu bleiben“.

          Und weiter: „Der Minister hat nicht mit dem Präsidenten gesprochen und kennt nicht den Grund“ für seine Entlassung. Als das die Runde machte, feuerte das Weiße Haus auch den Staatssekretär. Ungefähr dann rief Trump auch kurz bei Tillerson an, rund drei Stunden nach dem Tweet. Mit dem stetigen Streben nach „Vollkommenheit“ hatte Trump vorige Woche erklärt, dass er noch weitere Wechsel anstrebe. Stunden später hatte Wirtschaftsberater Gary Cohn den Anfang gemacht und seinen Rücktritt verkündet.

          Trump, ein „Schwachkopf“?

          Am Dienstag schwärmte Trump über die „gute Chemie“, die zwischen ihm und dem 55 Jahre alten Pompeo herrsche. Der Republikaner habe die gleiche „Denkweise“ wie er.

          Tillerson dagegen hatte über sich und Trump voriges Jahr genau das Gegenteil gesagt. Trump denke in sehr kurzen Zeiträumen. Als langjähriger Manager beim Ölkonzern Exxon, davon elf Jahre als geschäftsführender Vorstand, sei er es dagegen gewohnt, langfristig zu denken. Tillerson hat nie dementiert, dass er Trump in einer hitzigen Sitzung über Amerikas Atomarsenal als „Schwachkopf“ titulierte.

          Der kündigte am Dienstag zwar trotzdem an, „noch sehr lange mit Tillerson zu sprechen“. Doch er sprach von politischen Differenzen und führte das Nuklearabkommen mit Iran als Beispiel an. „Ich wollte es entweder zerfetzen oder sonstwas damit machen“, so Trump, aber Tillerson habe das leider anders gesehen. Viele Europäer hatten den Minister tatsächlich auf einer „Achse der Erwachsenen“ verortet, weil er den Präsidenten davor warnte, den Pakt ersatzlos aufzugeben. Trump aber hielt den Texaner deshalb für einen Teil des „Establishments“, das zu zerstören er angetreten war. Schließlich waren es Leute aus dem Umfeld von George W. Bush gewesen, die ihm den Texaner ans Herz gelegt hatten.

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