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Hintergründe des FPÖ-Skandals : Spezialbrillen und Ohren-Gutachten

  • -Aktualisiert am

FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache bei einer Pressekonferenz zur Regierungskrise Bild: dpa

Auch in der Sendung von Markus Lanz war das Ibiza-Video ein Thema. Die beteiligten Journalisten sprachen über den Weg von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Veröffentlichung – nur nicht über ihre Quellen.

          Am Dienstag und Mittwoch waren an der Veröffentlichung des Ibiza-Videos beteiligte Journalisten in der Sendung von Markus Lanz zu Gast. Bastian Obermayer und Frederik Obermaier berichteten davon, wie sie vom Ibiza-Video erfahren hatten. Sie seien vor einigen Monaten kontaktiert worden, von wem, wollten sie auch in der Sendung aus Gründen des Quellenschutzes nicht verraten.

          Die Besitzer des Videos hätten sich gezielt deutsche Journalisten ausgesucht. „Meine Erklärung ist, dass Österreich ein relativ kleines Land ist, in dem vor allem in Wien sehr viele miteinander reden. Wahrscheinlich glaubten sie nicht, dass da dichtgehalten wird“, erzählte Bastian Obermayer, der für die „Süddeutsche Zeitung“ arbeitet.

          Die österreichische Journalistin und Moderatorin Corinna Milborn, die ebenfalls bei Markus Lanz zu Gast war, erklärte im Widerspruch dazu, dass sie vor rund einem Jahr ebenfalls ein Video angeboten bekommen habe. Im Nachhinein sei ihr klar geworden, dass es sich dabei wohl um dieses Video gehandelt haben muss. Als sie die Aufnahmen sehen wollte, hätten sich die Besitzer des Videos aber nicht mehr gemeldet.

          Den ersten Blick auf einen Zusammenschnitt des Videos konnten die Journalisten später nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort werfen. „Es gab einen Laptop mit weißem Bildschirm, erst mit Spezialbrillen hat man etwas gesehen“ berichtete Frederik Obermaier. Dies sei wohl eine Sicherheitsmaßnahme gewesen, um auszuschließen, dass die Journalisten mitfilmen würden.

          Das komplette Material hätten sie schließlich ohne eine finanzielle Gegenleistung erhalten – dies sei auch die Regel bei der „Süddeutschen Zeitung“ und dem „Spiegel“. Es sei auch eine „freie Entscheidung“ gewesen, was wann berichtet werde, sagte Bastian Obermayer. Es habe lediglich ein paar Bedingungen gegeben, die den Schutz der Quelle beträfen, erklärte sein Kollege. Auch hätten die Besitzer des Videos von Anfang an klar gemacht, dass es sich um keine echte Oligarchen-Nichte und damit um eine Falle gehandelt habe.

          Frederik Obermayer erzählte von dem Prozess, nachdem die Journalisten das Video erhalten hatten. Es habe schon zu Beginn im Team Diskussionen gegeben, ob man das Video veröffentlichen könne. „Wir haben alles getan, um die Echtheit des Videos zu prüfen“, sagte der Journalist. Unter anderem hätten externe Experten ein Gutachten zu den Ohren von Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus angefertigt, um deren Identität zweifelsfrei feststellen zu können.

          Der Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung „Falter“, Florian Klenk, berichtete in der Sendung am Mittwoch von der Lage in seinem Heimatland. Langsam werde das Ausmaß der Regierungskrise sichtbar. „Es ist wie in einem Theater mit einer Vorder- und einer Hinterbühne. Jetzt hebt sich der Vorhang und man sieht die Hinterbühne.“ Die Österreicher seien vom neuen Stil von Kanzler Sebastian Kurz lange begeistert gewesen und hätten nicht genau auf den Koalitionspartner geschaut, aber jetzt falle das dem Regierungschef auf den Kopf.

          Der „Falter“ war kurz vor der Veröffentlichung von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ hinzugezogen worden. Über die Quellen wollte aber auch Klenk keine Angaben machen: „Das Redaktionsgeheimnis ist das Beichtgeheimnis der Demokratie.“

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