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Hilfsorganisationen und Haiyan : Wenn das Leid noch nicht ausreicht

  • -Aktualisiert am

Ein amerikanischer Helikopter mit Hilfsgütern auf den Philippinen Bild: dpa

Der Wirbelsturm Haiyan verwüstete Inseln und tötete Menschen. Von mehr als 10.000 Toten war die Rede, 25 Millionen Personen seien betroffen. Das waren Schätzungen. Sie wurden als Tatsachen verkauft.

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          Nach dem Taifun auf den Philippinen war die Not groß. Auf den verwüsteten Inseln – aber auch bei den deutschen Hilfsorganisationen. Sie wollten so schnell wie möglich reagieren: mit Pressemitteilungen und Spendenaufrufen, Videos und Expertisen. Das Problem war nur, dass niemand wusste, wie schlimm die Lage auf den Philippinen wirklich war. Zwei Tage nach dem Unglück meldete die philippinische Regierung 229 Tote, 45 Verletzte und 28 Vermisste. Das Rote Kreuz schätzte zu diesem Zeitpunkt, dass es „mindestens 1200 Todesopfer“ seien. Es war zu vermuten, dass das nicht alle sein konnten. Aber was sollte man in die Pressemitteilungen schreiben und auf die Internetseiten?

          Die Hilfsorganisation humedica schrieb: „Mehr als 10.000 Tote“. Die deutsche Sektion von Plan International teilte mit: „Taifun Haiyan hat bisher nicht nur über zehntausend Menschen das Leben gekostet – er stellt Überlebende und die Nothilfe-Experten der Kinderhilfsorganisation Plan International auch vor gewaltige Herausforderungen.“ Auch die Malteser: „Zehntausend Menschen ums Leben gekommen“. Das Bündnis Aktion Deutschland hilft und die Johanniter verkündeten: „Allein auf den Inselgruppen Visayas und Luzon sind 25 Millionen Menschen betroffen.“

          Die Spender sind hart umkämpft

          Das schienen gesicherte Zahlen zu sein. Es waren aber Behauptungen. Jetzt, eine Woche später, nennen die Vereinten Nationen ganz andere Zahlen – niedrigere. Etwa 3600 Tote und 12,9 Millionen Betroffene. Man muss befürchten, dass noch mehr Tote gezählt werden, weil viele Leichname noch nicht geborgen sind. Aber woher hatten die Hilfsorganisationen so früh ihre Zahlen? Und warum gaben sie diese als Fakten aus?

          Die ersten Tage nach einer Katastrophe sind für die Hilfsorganisationen die wichtigsten. Da sind die Horrorbilder auf den Titelseiten der Zeitungen und in den Sondersendungen im Fernsehen: weinende Waisen, zerstörte Hütten, Auffang-Lager, das ganze Elend. Dazu Kontonummern für Spenden. Da muss die Maschine anspringen. Eine Sprecherin von Save the Children Deutschland nennt den Taifun „eine CNN-Katastrophe“. Die Medien machen das Ereignis erst richtig groß. Und das ist nicht nur wichtig für die Hilfe im Katastrophengebiet, sondern auch für die Finanzen der Organisationen insgesamt. Sie brauchen das viele Geld, das durch Katastrophen in die Kassen strömt, auch für weniger spektakuläre Projekte. Spenden für die Taifun-Opfer dürfen, wenn die Einnahmen den Bedarf überschreiten, für die Arbeit woanders eingesetzt werden – zum Beispiel im Bürgerkriegsland Syrien, für das die Deutschen bisher sehr zurückhaltend Geld geben. Die Spender müssen nur vorher darauf hingewiesen werden.

          Die Spender sind hart umkämpft, denn das jährliche Spendenvolumen stagniert in Deutschland nach Einschätzung von Fachleuten bei sieben Milliarden Euro. Ein Taifun in einem Land mit sehr vielen Kindern kurz vor Beginn der Weihnachtszeit ist, geschäftlich betrachtet, eine wichtige und vielversprechende Einnahmequelle. Die Hilfsorganisationen drücken das ein bisschen netter aus. „Wir freuen uns sehr über die große Hilfsbereitschaft und Anteilnahme“, sagt eine Sprecherin des deutschen Büros von Plan International. Allein zwischen Montag und Donnerstag hat die Organisation in Deutschland mehr als 50.0000 Euro für die Philippinen gesammelt. Aktion Deutschland hilft vermeldet gar schon 7,5 Millionen.

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