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Aquarius : Spanische Willkommenskultur

Neugierige Blicke: Migranten an Bord der „Aquarius“ beobachten am Sonntag die Einfahrt in den Hafen von Valencia. Bild: AFP

Tausende Helfer und Staatsbeamte empfangen das Rettungsschiff „Aquarius“ am Hafen von Valencia. Doch auch in Spanien ist die Lage angespannt, denn immer mehr Flüchtlinge kommen ins Land.

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          Schon seit Tagen füllte sich der verwaiste Hafen von Valencia mit neuem Leben. Früher brachen an der Marina die Segelschiffe zum „America’s Cup“ auf und Boliden lärmten auf der Formel-Eins-Strecke am Ufer. Doch die spanische Stadt am Mittelmeer, die sein wollte wie Barcelona und Madrid, kann sich seit Jahren die teuren Rennen nicht mehr leisten. Stattdessen belebten jetzt mehr als 2300 Helfer und Beamte den Hafen. An der Mole, an der sonst große Kreuzfahrtschiffe landen, legten am Sonntag die kleine „Aquarius“ und ihre zwei italienischen Begleitschiffe an. Für die 630 Menschen an Bord des Schiffes ging eine Odyssee durch schwere See zu Ende.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Italien und Malta wollten die „Aquarius“ nicht an Land lassen. In Spanien wurden ihre Passagiere regelrecht von einer Welle der Hilfsbereitschaft überrollt.

          Ohne lange zu zögern, hat der neue sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez mit der Operation „Hoffnung für das Mittelmeer“ auf die Stimmung reagiert. Wie schon bei seinem Misstrauensantrag improvisiert Sánchez weiter und hält die Aufbruchsstimmung am Leben, die viele Spanier nach dem Regierungswechsel erfasst hat.

          Ungeplant wurde durch die „Aquarius“ Migration zum Schwerpunkt der Politik der Minderheitsregierung, der den ersten Ministerrücktritt und den Katalonien-Konflikt in den Hintergrund drängte. Sánchez’ Stellvertreterin Carmen Calvo eilte sofort nach Valencia. Acht Ministerien bereiteten die Ankunft vor. Am Sonntag kam dazu auf jeden Neuankömmling fast ein Journalist.

          „Stadt der Zuflucht“

          Zwischen dem von einem linksalternativen Bündnis geführten Rathaus von Valencia und dem sozialistischen Regionalpräsidenten kam es zu einem Wettstreit: Valencia will nicht mehr die Korruptionshauptstadt Spaniens sein, sondern die „Stadt der Zuflucht“, wie auf einem Plakat am Rathaus steht. Unter der konservativen PP waren Hunderte Millionen Euro Schulden für Prestigeprojekte gemacht worden, von denen viele mit Korruptionsprozessen endeten. Um den Politikwechsel in Valencia deutlich zu machen, hätte der linksalternative Bürgermeister die Ankömmlinge am liebsten im früheren Stützpunkt des Segelteams Alinghi begrüßt – eine der vielen Investitionsruinen am Hafen.

          Aus Sicherheitsgründen entschied man sich für die Kreuzfahrtmole. Die meisten Migranten blieben nur kurz in Valencia, bevor sie eine Flotte von Bussen in ihre Unterkünfte brachte. Hunderte Stadt- und Regionalverwaltungen sowie Tausende Bürger hatten Hilfe angeboten. So bald wie möglich sollten die Migranten im ganzen Land verteilt werden – bis nach Galicien und ins Baskenland.

          Am Samstag erklärte sich zudem der französische Präsident Emmanuel Macron bereit, diejenigen Passagiere aufzunehmen, die lieber nach Frankreich wollen. Das sei die richtige Antwort, sagte Sánchez: Europa müsse auf die Flüchtlingskrise mit mehr Kooperation und Solidarität reagieren. Angesichts der Debatten in Deutschland, Österreich und Italien ist man in Madrid froh über solche Signale. Sánchez würde gerne die Reform der Migrationspolitik zum Schwerpunkt des EU-Gipfeltreffens machen.

          Schon früher reduzierte Marokko die Zusammenarbeit

          Seine Regierung bereitete den „Aquarius“-Passagieren einen perfekt organisierten Empfang, wie ihn die anderen Migranten nicht erhielten, die zur gleichen Zeit so zahlreich von Nordafrika nach Spanien übersetzten wie seit langem nicht mehr. Von Freitagmorgen bis Sonntagmittag kamen etwa tausend Menschen in rund siebzig kleinen Schiffen an; viele von ihnen in winzigen Schlauchbooten. In den Tagen, in denen die „Aquarius“ auf dem Weg nach Valencia war, landeten rund drei Mal mehr Migranten an der südspanischen Küste, als das Rettungsschiff an Bord hatte.

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