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Hilfe für Yeziden : Obama schickt weitere Soldaten in den Irak

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Vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush, der Arabischen Golf liegt, fliegt die amerikanische Luftwaffe Angriffe auf Dschihadisten Bild: REUTERS

Rund 130 zusätzliche Militärberater sollen im Nordirak Möglichkeiten für humanitäre Hilfe ausloten. An Kämpfen sollen sich die amerikanischen Soldaten laut Verteidigungsministerium aber nicht beteiligen.

          Die Vereinigten Staaten hat rund 130 weitere Militärberater in den Irak geschickt. Sie sollen Möglichkeiten für zusätzliche humanitäre Hilfe zum Schutz für die Tausenden Yeziden sondieren, die vor den islamistischen Milizen auf den Berg Sindschar geflohen sind. Das teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Dabei gehe es um Wege, den Angehörigen der religiösen Minderheit über den Abwurf von Hilfsgütern hinaus zu helfen. Mit der Entsendung steigt die Zahl der im Irak stationierten amerikanischen Soldaten auf fast 1000.

          „Diese Kräfte werden an keiner Kampfhandlung teilnehmen“, heißt es in der Mitteilung. Sie sollten „vorübergehend“ ins Land geschickt werden und sich dabei mit dem amerikanischen Außenministerium und der Hilfsorganisation USAID abstimmen, um die Pläne auch mit internationalen Partnern zu koordinieren. Präsident Barack Obama habe die Entscheidung auf Empfehlung von Verteidigungsminister Chuck Hagel getroffen.

          Hagel zufolge sind die Soldaten bereits in der Umgebung der Kurden-Hauptstadt Arbil eingetroffen. Seit dem Vormarsch der radikalen Kämpfer der Sunniten-Bewegung Islamischer Staat im Juni haben die Vereinigten Staaten etwa 700 Soldaten zum Schutz ihrer Diplomaten und zur Beratung des irakischen Militärs in den Golfstaat entsandt. Seit einigen Tagen fliegen Amerikaner zudem Luftangriffe auf die Islamisten.

          Obama hatte zuvor bereits rund 300 Soldaten in das Land geschickt, um irakische Sicherheitskräfte zu unterstützen und die große amerikanische Botschaft in Bagdad zu schützen. Einen Kampfeinsatz bewaffneter Bodentruppen hatte er mehrfach ausgeschlossen. Beobachter fürchten jedoch, dass die Vereinigten Staaten abermals in den Irak-Krieg hineingezogen werden könnten, den Obama vor mehr als zweieinhalb Jahren für beendet erklärt hatte.

          Angesichts der verheerenden Situation der Zivilbevölkerung im Nordirak mehren sich Warnungen vor einem Völkermord durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Im Sindschar-Gebirge im Norden des Landes saßen nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes UNHCR vom Dienstag weiter 20.000 bis 30.000 Menschen in der Todesfalle der Gotteskrieger - die meisten von ihnen sind Yeziden.

          Vertriebene Yeziden in einem Flüchtlingslager: Die Kleidungsstücke wurden von einer Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt

          Die Vereinigten Staaten flogen am Dienstag weitere Luftangriffen gegen IS-Stellungen. Bisher sei die Miliz dadurch aber nicht entscheidend geschwächt worden, räumte das Pentagon ein. Man habe nur ihr „Tempo verlangsamt“, sagte Generalleutnant William Mayville. Doch die IS-Kämpfer seien „weiter darauf aus, größere Gebiete zu gewinnen“. In der Nacht zum Mittwoch versorgten die Vereinigten Staaten zum sechsten Mal die Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge mit Lebensmittel und Wasser, wie das Zentralkommando in Tampa (Florida) mitteilte.

          Den UN lägen Berichte vor, wonach IS-Truppen systematisch Yeziden und andere Angehörige von Minderheiten oder Andersgläubige in die Enge trieben, sagte der für illegale Hinrichtungen zuständige UN-Sonderberichterstatter Christof Heyns. Zugleich verwies die UN-Berichterstatterin über Gewalt gegen Frauen, Rashida Manjoo, auf Informationen, IS-Mitglieder hätten Hunderte von Kindern und Frauen entführt und viele von ihnen vergewaltigt. Viele Frauen seien ermordet worden. „Solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen unterbunden und bestraft werden“, forderte Manjoo.

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