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Hilfe für Ortskräfte : Rein ins Flugzeug, raus aus Afghanistan

In Ramstein warten Personen, die aus Kabul geflogen wurden, am Samstag auf die Weiterreise. Bild: Reuters

Es ist unklar, wie viele Ortskräfte der Deutschen aus Afghanistan ausreisen konnten. Nicht alle sind von der Bundeswehr ausgeflogen worden. Und oft konnten die Papiere erst nach dem Start überprüft werden.

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          Verlässliche Zahlen sind in diesen Tagen schwer zu bekommen. Das gilt sowohl für die deutschen Staatsangehörigen und Ortskräfte, die sich noch in Afghanistan befinden, als auch für diejenigen, die es nach Deutschland geschafft haben. Die Bundeswehr hat mitgeteilt, dass sie in der größten und gefährlichsten Evakuierungsmission ihrer Geschichte insgesamt 5347 Personen aus mindestens 45 Nationen ausgeflogen hat. Nach einem Bericht der Zeitung Welt am Sonntag befanden sich unter den geretteten Personen aber nur rund hundert Ortskräfte. Zusammen mit den Familien sollen es 500 Personen gewesen sein.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Das Bundesinnenministerium konnte die Zahl am Sonntag nicht bestätigen. Die aktuellsten Zahlen, über die das Haus verfügt, stammen vom Donnerstag. Demnach wurden im Zuge der Evakuierungsmission 138 Ortskräfte nach Deutschland gebracht, dazu kommen 496 Angehörige, also insgesamt 634 Personen. Doch möglich ist, dass auch diese Zahl korrigiert werden muss. Die Bundesregierung ist noch damit beschäftigt, die Zahlen aus den unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen.

          Auswärtiges Amt, Bundespolizei, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Bundeswehr haben jeweils eigene Zahlen. Fest steht lediglich, dass seit 2013 insgesamt 527 Ortskräfte nach Deutschland eingereist sind; zusammen mit den Familienangehörigen sind es 2575 Personen. Die Bundesregierung hat insgesamt rund 10.000 Afghanen die Zusage für eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. Darunter sind allerdings nicht nur Ortskräfte, sondern auch besonders gefährdete Personen, etwa Journalisten und Menschenrechtler, die auf den Listen der Bundesregierung stehen.

          Identität vor dem Abflug nicht mehr festgestellt

          Die Frage, wie viele Ortskräfte die Bundeswehr in den vergangenen zwei Wochen nach Deutschland gebracht hat, ist deshalb so schwer zu beantworten, weil vor dem Abflug in Kabul die Identität der Personen nicht mehr festgestellt wurde. Solange das Ortskräfteverfahren Anwendung fand, war für die Einreise nach Deutschland ein Visum erforderlich. Im Prozess der Visumsvergabe findet sowohl eine Identitätsfeststellung als auch eine Sicherheitsüberprüfung statt. Das erfolgt nun erst nach der Landung am Flughafen.

          Möglicherweise haben Ortskräfte auch einen anderen Weg aus ihrem Land gefunden als mit den Transportflugzeugen der Bundeswehr. Während der Evakuierungsmission herrschten am Kabuler Flughafen chaotische Zustände. Denkbar ist zudem, dass deutsche Ortskräfte in Militärflugzeuge anderer Staaten gelangt sind. Letztlich entschieden meist amerikanische Soldaten, wer in welches Flugzeug kommt. Außerdem gibt es Berichte über Ortskräfte, die per Linienflug über Doha nach Deutschland gereist sind.

          Wenn man die Ortskräfte abzieht, wurden im Rahmen der Evakuierungsmission etwa 4700 andere Personen nach Deutschland gebracht. Zum Teil handelt es sich um besonders gefährdete Personen, die auf der Liste der Bundesregierung standen und Anspruch auf einen Aufenthaltstitel haben. Außerdem wird vermutet, dass sich in den Evakuierungsflügen auch Afghanen befunden haben, die in Deutschland leben und in den vergangenen Wochen nach Kabul geflogen sind, um Verwandten bei der Flucht zu helfen. Es gilt als sicher, dass unter den Personen, die in den Flugzeugen der Bundeswehr saßen, auch solche waren, die eigentlich keine Berechtigung hatten, aber von dem Chaos profitiert haben. Auch diese Zahl steht bislang nicht fest. Sie müssen in Deutschland ein Asylverfahren durchlaufen.

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