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Völkermord in Namibia : Herero-Chief kündigt Massenproteste gegen Steinmeier-Besuch an

  • Aktualisiert am

Stammesoberhaupt der Herero, Paramount Chief Vekuii Rukoro (Archivbild aus dem Jahr 2015) Bild: Picture-Alliance

Der oberste Herero kündigt Massenproteste gegen den Besuch von Frank-Walter Steinmeier in Namibia an, falls der Bundespräsident im Parlament in Windhoek für den Völkermord an den Herero und Nama um Vergebung bitten sollte.

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          Der traditionelle Herero-Chief Vikuii Reinhard Rukoro hat Massenproteste gegen den geplanten Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Windhoek angekündigt. Bei dem Besuch soll das Staatsoberhaupt offiziell um Vergebung für die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia bitten. Sollte Steinmeier die Bitte um Entschuldigung im namibischen Parlament aussprechen, würden Oppositionspolitiker den Saal verlassen, sagte Rukoro der Bild-Zeitung vom Samstag. Zudem werde es vor dem Gebäude Massendemonstrationen der Herero und Nama geben.

          „Ich werde Deutschland bloßstellen“, sagte Rukoro, der zu den führenden Kritikern des Versöhnungsabkommens zwischen Deutschland und Namibia zur Aufarbeitung der blutigen deutschen Kolonialgeschichte gehört. Er wolle Deutschland „der Peinlichkeit aussetzen, dass sie ein Abkommen geschlossen haben über den Genozid an Hereros und Namas, das ratifiziert wurde von einem Parlament, das aus Swapo-Leuten und Ovambos besteht, die nichts über den Genozid wissen“, führte Rukoro aus.

          Das in der vergangenen Woche bekannt gewordene Versöhnungsabkommen, in dem Deutschland erstmals die Gräueltaten sogenannter deutscher Schutztruppen an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 als Völkermord anerkennt, hatte unter Opfergruppenvertretern in Namibia eine Welle der Kritik ausgelöst. In dem südwestafrikanischen Land gibt es jedoch auch Chiefs mehrerer Herero- und Nama-Gemeinschaften, die das Abkommen unterzeichnen wollen. Geplant ist, dass Steinmeier im Zuge des Versöhnungsprozesses nach Namibia reist und dort im Namen Deutschlands offiziell um Vergebung bittet. Ein Termin für den Besuch steht noch nicht fest. Das Abkommen muss vom namibischen Parlament noch ratifiziert werden.

          Forderungen auch für Hereros in Botsuana

          Vertreter der Herero und Nama beklagen unter anderem eine mangelnde Beteiligung von Opfergruppenvertretern an den Verhandlungen zwischen Berlin und Windhoek. Auch kritisierten sie, dass Deutschland den Nachfahren der Opfer keine direkte Entschädigung zahlt.

          In dem Versöhnungsabkommen sind deutsche Wiederaufbauhilfen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro vorgesehen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren ausgezahlt werden und vorrangig in soziale Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama fließen sollen. Reparationen lehnt die Bundesregierung jedoch ausdrücklich ab. Sie vertritt den Standpunkt, dass sie rechtlich keine Verantwortung für den Völkermord übernehmen könne, weil die betreffende UN-Völkermordkonvention erst 1948 beschlossen worden sei.

          Vor wenigen Tagen forderte Botsuanas früherer Präsident Ian Khama, dass auch die Hereros in Namibias Nachbarland von dem Geld profitieren sollten. In einem Interview mit der Zeitung The Namibian sagte er: „Es liegt nicht im Ermessen des namibischen Parlaments, sondern vielmehr bei der Regierung Botsuanas, sicherzustellen, dass Hereros auch in unserem Land von der Geste profitieren, die die deutsche Regierung angeboten hat.“

          Namibia – damals Deutsch-Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Aufstände der Herero und Nama schlugen die deutschen Kolonialtruppen brutal nieder. Später ordnete der damalige deutsche Gouverneur Lothar von Trotha die planmäßige Vernichtung der beiden Volksgruppen an. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

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