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Herat in Afghanistan : Ein Stückchen Freiheit

Studentinnen an der Mehri Herawi Highschool in Herat Bild: ANDREA DICENZO/The New York Time

In Herat gelten die Grundrechte auch für Frauen – das war lange keine Selbstverständlichkeit. Aber es gibt viele Flüchtlinge, und die Taliban lauern vor den Toren: Die zweitgrößte Stadt Afghanistans steht am Scheideweg.

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          Nur ungern erinnert sich Maria Bashir an die dunkle Zeit. „Bildung für Frauen und Mädchen war verboten, wir mussten die Burka tragen, und außerhalb des Hauses durften wir nicht arbeiten.“ Das war vor zwanzig Jahren, als die Taliban ihren Steinzeitislam gerade über Afghanistan gebracht hatten. Bashir hatte da gerade ihr Jurastudium beendet. In der traditionellen afghanischen Gesellschaft war es noch eine Ausnahme, dass eine junge Frau studierte. Um an der Universität zugelassen zu werden, brauchte sie eine Genehmigung des Hochschulministers. Später hängte sie an ihr Studium eine Zusatzausbildung zur Staatsanwältin. 1995 begann sie ihre Arbeit für die Staatsanwaltschaft in Herat, der zweitgrößten Stadt Afghanistans. Dann kamen die dunklen Jahre.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Taliban eroberten Herat, und Maria Bashir musste von nun an zu Hause bleiben. Dort richtete sie, unterstützt von ihrem Mann, eine Untergrundschule für Mädchen ein. Als die Taliban 2001 schließlich gestürzt waren, wurde auch nicht gleich alles gut. „Wir mussten kämpfen“, sagt sie. „Und sehen Sie, es hat sich gelohnt!“ Heute trägt sie ein leichtes hellgraues Kopftuch, bewegt sich auf den Straßen Herats relativ frei – und macht sich dennoch Sorgen über die Zukunft ihres Landes. „Wie sollen wir denn ohne internationale Garantien mit denen Frieden schließen, die uns öffentlich ausgepeitscht haben, die uns unserer Rechte beraubt haben, die uns gesteinigt haben?“

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