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Streit um Statuen und Flaggen : Amerikanische Helden oder Rassisten?

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Dagegen dürfen die Mitglieder der amerikanischen Fußball-Nationalmannschaften während der Hymne wieder friedlich protestieren und sich beispielsweise hinknien. Der Fußballverband der Vereinigten Staaten kippte ein entsprechendes Verbot und entschuldigte sich insbesondere bei seinen schwarzen Spielerinnen und Spielern. „Es ist klar geworden, dass diese Regel falsch war und von der wichtigen Botschaft, dass schwarze Leben wichtig sind, abgelenkt hat“, heißt es in einer am Mittwoch (Ortszeit) verbreiteten Stellungnahme. „Der Sport hat eine starke Plattform für das Gute und wir haben diese Plattform nicht so effektiv genutzt, wie wir das hätten tun sollen. Wir können bei diesen speziellen Themen mehr tun, und das werden wir.“

Eingeführt worden war die Regel 604-1 im Februar 2017, nachdem Spielführerin Megan Rapinoe sich aus Solidarität mit Footballspieler Colin Kaepernick ebenfalls bei der Hymne hingekniet hatte. Damit wollten beide gegen die Polizeigewalt gegen Schwarze demonstrieren. Seit der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam ist das Thema in den Vereinigten Staaten so groß wie wohl noch nie und führte landesweit zu massiven Protesten und Demonstrationen gegen Rassismus. Zukünftig liege es an den Spielerinnen und Spielern zu entscheiden, wie sie ihre Bühnen nutzen wollen um alle Arten von Rassismus, Diskriminierung und Ungleichbehandlung zu bekämpfen, teilte der amerikanische Verband mit.

„Vom Winde verweht“ aus dem Programm genommen

Derweil sorgt der amerikanische Streaminganbieter HBO max für Aufsehen mit der Ankündigung, den Filmklassiker „Vom Winde verweht“ vorerst aus dem Programm zu nehmen. Das zu Warner Media gehörende Unternehmen wolle dem Film Erklärungen zu dessen rassistischen Vorurteilen und der problematischen Darstellung von Sklaverei zur Seite stellen, erklärte ein Sprecher. „Er wird mit einer Erläuterung seines historischen Kontexts und einer Distanzierung von den rassistischen Darstellungen ins Programm wiederaufgenommen werden“, hieß es laut „Hollywood Reporter“ in einem Statement des Unternehmens.

„Vom Winde verweht“ ist 1939 erschienen und erzählt die Geschichte der Gutsherrin Scarlett O'Hara in den US-Südstaaten zu Zeiten des Bürgerkrieges. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei stehen mehrere afroamerikanische Charaktere freiwillig und loyal zu Scarletts Familie, Probleme durch Sklaverei werden in dem Klassiker nicht thematisiert.

Auslöser der neu entbrannten Diskussionen über rassistische Symbole und Erinnerungsverhalten in den Vereinigten Staaten war der  Tod des Afroamerikaners Floyd bei einem Polizeieinsatz vor mehr als zwei Wochen. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt - trotz seiner wiederholten Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Er war am Dienstag beisetzt worden. Die durch Floyds gewaltsamen Tod ausgelösten Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit dauern an.

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