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Maas bei Vereinten Nationen : Die Welt in einer Woche

Was ich noch zu sagen hätte: Außenminister Heiko Maas (Mitte), der Präsident Naurus, Wage, der deutsche Botschafter Heusgen Bild: Getty

Heiko Maas hat eine Mission bei den Vereinten Nationen: Er will ein Netz der Vernünftigen knüpfen. Lässt sich so Donald Trump bremsen?

          Manchmal frühstückt Heiko Maas in New York zweimal hintereinander. Er isst auch mehrfach zu Abend. Das ist ohnehin immer so in jener Woche im September, in der sich am Sitz der Vereinten Nationen die Chefetage der ganzen Welt trifft, in der die Terminkalender von Staatschefs und Regierungschefs platzen vor Verabredungen und Schau-Terminen, die ihnen ihre Sekretariate, Mitarbeiter und Fachabteilungen dort eingetragen haben. Aber dieses Jahr hat sich der deutsche Außenminister sein Terminbuch noch enger vollschreiben lassen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Maas hat erstens eine besondere Verpflichtung: Deutschland gehört 2019 und 2020 dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an, jenem Gremium, das die Kriege und Krisen auf der Welt berät und (manchmal) dazu Entscheidungen trifft. Also muss der Minister jetzt bei den fünf ständigen Sicherheitsrats-Mitgliedern und den neun weiteren nichtständigen Mitgliedern vorstellig werden, muss sich selbst und die Themen bekannt machen, um die Berlin sich besonders kümmern möchte. „Klima und Sicherheit“ lautet eines davon, „Frauen, Frieden, Sicherheit“ ein anderes.

          Zweitens aber hat Maas eine Mission: Vor zwei Monaten, auf einer Reise nach Japan und Südkorea, entwickelte er erstmals den Plan, man müsse den egozentrischen politischen Absichten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein Kontrastbild entgegenhalten. „Allianz der Multilateralisten“ lautete damals Maas’ Ankündigung. Seither sucht die Führung des Auswärtigen Amts nach einem verständlicheren Begriff für diese Absicht – „Allianz“ klingt zu sehr nach verbindlichem Pakt mit festen Regeln, „Multilateralismus“ wiederum macht zu wenig begreifbar, worum es Maas geht; um eine Art fest zu webendes Netz der Vernünftigen, das Trumpsche Eskapaden (aber auch Anmaßungen anderer autoritär auftretender Mächte) zwar nicht verhindern, aber doch bremsen, auffangen oder einwickeln kann.

          Ein kleiner Seitenhieb auf Trump

          Am Freitag sagt Maas in seiner Rede vor der Generalversammlung, der gegenwärtige „Flickenteppich von Konflikten“ in Syrien, im Jemen, in Iran, Venezuela, auch die „weltweiten Flüchtlingsdramen“ ergäben, wenn man einen Schritt zurücktrete, das Muster einer großen Krise, „der Krise des Multilateralismus“. Und er setzt das Nachkriegsschicksal Deutschlands, die „Erfolgsgeschichte nach 1945“ als Gegenbild daneben. Maas nennt das zusammenwachsende Europa gar „einen Triumph des Multilateralismus“ und billigt den Vereinigten Staaten zu, sie hätten doch „entscheidenden Anteil daran“ gehabt. Das ist einer der wenigen Seitenhiebe, die er sich vor dem Publikum der Welt auf Donald Trump gestattet; abgesehen von einem Ausruf am Ende – da verwandelt Maas den Schlachtruf Trumps, „America first“, in ein Multilateralismus-Motto: „together first“. Der Auftritt vor den Repräsentanten der 193 Staaten der Welt ist Maas’ letzte Handlung in seiner New Yorker Woche. Sein Terminkalender zählt in den Tagen bei den Vereinten Nationen knapp 30 Gespräche mit Staatspräsidenten, Regierungschefs, Ministerkollegen, 23 Veranstaltungen, Beratungsrunden und Auftritte.

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