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Maas und Südamerika : Schlechter Witz

Inmitten der Pandemie: Demonstranten mit Salvador-Dali-Masken nehmen Ende November in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá an einem Protestmarsch teil. Sie fordern unter anderem finanzielle Hilfe. Bild: dpa

Außenminister Heiko Maas hat sich für mehr Zusammenarbeit zwischen der EU und Südamerika im Kampf gegen Corona ausgesprochen. Wer kann das ernst nehmen?

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          Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Bundesaußenminister Heiko Maas zum Abschluss der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gegenüber den Außenministern Lateinamerikas und der Karibik für mehr Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Corona-Pandemie plädierte und gleich mit einem Plan für ein transnationales Institut für den Kampf gegen Infektionskrankheiten in Lateinamerika aufwartete.

          In der Tat wütet das Virus in Lateinamerika schlimmer als auf jedem anderen Kontinent. Das hat wenig mit irrlichternden Präsidenten zu tun, aber viel mit sozialer Ungleichheit infolge schlecht geführter Rohstoffökonomien und einem großen informellen Sektor, mit immenser Verstädterung infolge von Landflucht und einem katastrophalen öffentlichen Gesundheitswesen als einem von vielen Symptomen fragiler Staatlichkeit.

          Ein Institut von Gnaden des deutschen Außenministers klingt da nach einem schlechten Witz. Denn davon abgesehen, dass die europäische Außenpolitik zwischen ihren kurzlebigen Aktivitätsschüben Südamerika den Chinesen, Russen und Amerikanern überlässt, hat die Bundesregierung während ihrer Ratspräsidentschaft nichts getan, um die Widerstände gegen das ausverhandelte Mercosur-Abkommen zu beseitigen. Im August war es sogar Frau Merkel selbst, die sich öffentlichkeitswirksam auf die Seite der Zweifler schlug. Solche Freunde braucht man zwischen Mexiko und Feuerland wirklich nicht.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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