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Heftige Kritik an Israel : Türkei: Schaden nicht wieder gutzumachen

  • Aktualisiert am

Erbittert protestierten Türken vor der israelischen Botschaft in Ankara Bild: AFP

Der israelische Militäreinsatz stößt international auf scharfe Kritik. Die Bundesregierung, die EU und die UN forderten eine „umfassende Untersuchung“ des Vorfalls. Die Arabische Liga berief eine Dringlichkeitssitzung ein.

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          Das türkische Außenministerium hat den israelischen Angriff auf ein mit Hilfsgütern für Gaza beladenes türkisches Schiff am Montag ungewöhnlich scharf kritisiert. Der Schaden für die Beziehungen der beiden Staaten sei nicht wieder gutzumachen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Die Türkei missbillige das als unmenschlich bezeichnete Vorgehen Israels scharf.

          „Israel hat auf unschuldige Zivilsten gezielt“, hieß es in der Erklärung, über die türkische Medien berichteten. „Sie haben einmal mehr gezeigt, dass sie sich um Menschenleben und friedliche Initiativen nicht kümmern.“ Schiffe in internationalen Gewässern aufzubringen, sei auch ein Bruch internationalen Rechts. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan berief eine Dringlichkeitssitzung von Ministern und Militärchefs ein, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

          Die türkische Regierung rief ihren Botschafter aus Israel ab. Außerdem sagte sie drei gemeinsame Militärmanöver mit Israel ab und verlangte eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates, wie der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc am Montag sagte. Arinc setzte die israelische Kommandoaktion gegen eine Hilfsflotte pro-palästinensischer Aktivisten einem Akt von Piraterie gleich. Den Einsatz der türkischen Marine schloss er aus.

          Die Türkei verurteilte die Aktion auf das Schärfste
          Die Türkei verurteilte die Aktion auf das Schärfste : Bild: AFP

          Auch die Arabische Liga hat für diesen Dienstag eine Dringlichkeitssitzung in Kairo einberufen. Bei dem Treffen wollen die arabischen Staaten besprechen, wie sie auf die israelische Militäroperation gegen die „Solidaritätsflotte“ reagieren sollen. Das gab der stellvertretende Generalsekretär der Liga, Ahmed ben Hilli, am Montag bekannt. Um die Einberufung des Treffens hatten Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und das syrische Außenministerium gebeten. Die syrische Regierung verurteilte die Militäraktion gegen die Schiffe der „Solidaritätsflotte“, die Hilfsgüter für die Palästinenser im Gazastreifen geladen hatte.

          Sprecher Obamas drückt tiefes Bedauern aus

          Die amerikanische Regierung hat ihr tiefes Bedauern über die Todesfälle bei der Erstürmung der Flotte mit humanitären Gütern vor dem Gazastreifen durch die israelische Kriegsmarine ausgedrückt. Washington bemühe sich, Aufklärung über die Hintergründe dieser Tragödie zu erhalten, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes am Montag. Präsident Obama verbrachte das verlängerte Wochenende und den arbeitsfreien Kriegstotengedenktag „Memorial Day“ vom Montag mit seiner Familie in Chicago. Die für diesen Dienstag angesetzten Treffen von Präsident Barack Obama mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas sollen wie geplant stattfinden.

          Zunächst hatte es geheißen, ungeachtet der harschen Kritik am Angriff der israelischen Streitkräfte auf eine internationale Hilfslieferung für die Palästinenser wolle Regierungschef Benjamin Netanjahu seine Nordamerika-Reise fortsetzen. Wie aus Netanjahus Umfeld am Montag in Ottawa verlautete, entschied der Regierungschef, den Besuch in Kanada und in den Vereinigten Staaten nicht abzubrechen. Nach seinen Aufenthalten in Toronto und Ottowa sollte Netanjahu am Dienstag nach Washington weiterfahren. Dort sind abermals Gespräche mit Präsident Barack Obama über den stockenden Friedensprozess im Nahen Osten geplant.

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