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Händeschütteln mit einem Arzt : Hat sich Putin mit Corona infiziert?

Der inzwischen positiv getestete Arzt Prozenko mit Präsident Putin in der vergangenen Woche. Bild: AP

Vorige Woche noch schüttelte der russische Präsident die Hände der Ärzte des Krankenhauses, das er besuchte. Nun ist einer von ihnen infiziert. Und auch Putin sieht inzwischen von Körperkontakt ab.

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          Noch vor kurzem war in Russland vom „ewigen“ Wladimir Putin die Rede. Denn gerade lässt sich der Präsident in einer Verfassungsreform die Option geben, bis 2036 Staatsoberhaupt zu bleiben. Jetzt erinnert das Coronavirus daran, dass nach menschlichem Ermessen nicht einmal Putin unantastbar ist. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Leitende Arzt des Krankenhauses Nummer 40 in Kommunarka am Rande von Moskau mit dem Virus infiziert ist. Eine Woche zuvor hatte Denis Prozenko Putin noch durch die Einrichtung geführt, die Moskaus Aushängeschild im Kampf gegen das Virus ist.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Arzt – der sich nun nach eigenen Angaben in seinem Krankenhausbüro isoliert, arbeitet und sich gut fühlt – hatte auch den Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin und andere ranghohe Staatsdiener empfangen, unter ihnen Putins Sprecher Dmitrij Peskow. Dieser teilte rasch nach Bekanntwerden der Infektion Prozenkos mit, Putin werde regelmäßig auf das Virus getestet, es bestehe kein Grund zur Sorge, „alles ist normal“. Am Mittwoch fügte Peskow hinzu, Putin sei im Austausch mit Ministern zum „Distanzformat“ aus der Residenz in Nowo-Ogarjowo westlich von Moskau übergegangen. Der Präsident verzichte jetzt darauf, Leuten zur Begrüßung die Hand zu reichen wie noch vorige Woche dem Arzt Prozenko.

          Sorgen um Putins Gesundheit

          Auch alle, die mit dem Präsidenten in Kommunarka waren, würden täglich auf das Virus getestet, sagte Peskow. Allerdings sei die Regel, dass alle Gesprächspartner des Staatsoberhaupts auf das Virus getestet würden, vorige Woche im Krankenhaus nicht eingehalten worden. Am Mittwoch kamen der Erste Stellvertretende Ministerpräsident Andrej Beloussow und Moskaus Bürgermeister zu einer Regierungssitzung in Schutzmasken, die sie freilich rasch abnahmen.

          Der Infektionsarzt Jewgenij Timakow sagte der Zeitung „Kommersant“, als Putin im Krankenhaus Nummer 40 gewesen sei, sei Prozenko vermutlich noch nicht infiziert gewesen. Doch trotz aller Beschwichtigungen kamen Sorgen um Putins Gesundheit auf. So wäre es bei jedem Staats- und Regierungschef. Doch kommt im Fall Putins das Höchstmaß an Personalisierung der Macht nach dem von einem Gefolgsmann geprägten Motto „Kein Putin, kein Russland“ hinzu. Putin, der stets Virilität und Stärke ausstrahlen muss, ist im Kampf gegen das Coronavirus nach seinem Besuch in Kommunarka und einer anschließenden Videobotschaft blass geblieben, auch wenn die Infiziertenzahlen jetzt stark steigen, am Mittwoch auf 2777 bei 25 Todesfällen.

          Putin hat nicht den Ausnahmezustand ausgerufen, sondern es den Regionaloberhäuptern überlassen, im Anschluss an Moskau und unter Federführung von dessen Bürgermeister „allgemeine häusliche Regime der Selbstisolierung“ auszurufen. Viele sehen nun den Stern des Moskauer Krisenmanagers Sergej Sobjanin steigen. Doch ist Putin seit langem wenig an innerrussischen Problemen interessiert, sondern zieht den Glanz der internationalen Bühne vor, wovon aktuell die Hilfslieferungen für die Vereinigten Staaten zeugen.

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